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Familiengeschichte

der

Oldenburger von der Lippe


von Friedrich "Friedel" von der Lippe  [60]

[x] = Verweis auf Genealogie Familie von der Lippe aus Oldenburg

Unser Vorfahr, der Begründer der evangelisch-lutherischen Familie von der Lippe in Oldenburg entstammt nach unserer uralten Familienüberlieferung dem nachweislich seit 1346 zu Vinsebeck (am Fusse des Egge-Gebirges, zwischen Bergheim und Horn am Heubach) angesessenen, dem Uradel Westfalens zugehörigen Geschlechte dieses Namens. Urkundlich erscheint dasselbe zuerst im Zeitalter Barbarossas u. Heinrich des Löwen im Jahre 1179 als ein im Paderbornischen angesessenes, turnierfähiges Geschlecht. Das Wappen mit den beiden übereinander liegenden Turnierkragen hat schon der famulus Bertold de Lippia nach einer Urkunde von 1335 Valentini (d.h. Febr. 14.) geführt. Schon frühzeitig hatte die Reformation in der Nachbarschaft, namentlich in Detmold u. Umgegend, Eingang gefunden, wo der 1546 verstorbene Simon von Exter letzter katholischer u. erster lutherischer Pastor gewesen ist.

Das Geschlecht der von der Lippe aber, welches von jeher zu den festesten Stützen der römischen Kirche in dieser Gegen gehört hatte u. von dem manche Mitglieder hervorragende Rollen als Ministerialen des Hochstiftes Paderborn gespielt hatten, hielt allen Anfechtungen der Zeit trotzend nur um so fester am alten Glauben.

Wie zu jener Zeit viele seiner Standesgenossen hatte auch unser Vorfahr sein Glück unter den Waffen in fremden Kriegsdiensten gesucht. Er war verwundet worden u. hatte Aufnahme u. Pflege in einem evangelischen Hause gefunden. Als er nun hier für Luthers Lehre gewonnen wurde u. die Tochter dieses Hauses als Gattin heimführte, war natürlich der völlige Bruch mit seiner Familie unausbleiblich.

Er kehrte der alten Heimat auf Nimmerwiedersehen den Rücken u. gelangte, nebst einem gleich ihm evangelisch gewordenen Bruder, etwa in den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts in die Grafschaft Oldenburg, wo der von 1529 bis 1573 regierende Graf Anton (geb. 1505) u. sein Bruder "Christopher" die Reformation beschützten und befestigten.

Graf Christoph von Oldenburg, obwohl ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt u. durch den Einfluss seines Vaters, Grafen Johannes schon seit 1518 "Thumbherr" (Domherr) zu Bremen und Cöllen, war ein gar streitbarer Herr, dessen kriegerische Neigungen ihn in viele Händel verwickelt und weit in der Welt herumgeführt haben. Es ist sehr wohl möglich u. die von meinem Grossvater  ausgesprochene Meinung hat viel für sich, dass er unsere Vorfahren auf einer seiner Kriegsfahrten kennengelernt und zu sich ins Land gezogen hat. Sie kauften sich in der Gegend von Hatten an u. nahmen dort ihren Wohnsitz.

Der gesammte Unterthanenverband der Grafschaft Oldenburg gliederte sich damals, wie überhaupt in der letzten Hälfte des Mittelalters folgendermassen: Zu den Grafen in nächster Beziehung standen die Burgmannschaften von Oldenburg u. von Delmenhorst. Sie wurzelten der Hauptsache nach im Adel der beiden Grafschaften. Ritter u. Knappen sassen auf ihren Gütern u. waren "rossdienstpflichtig", aber sonst frei von öffentlichen Lasten. Sie erscheinen durchweg als Dienstmannen der Grafen, waren ihres Aufgebotes gewärtig, vielfach belehnt mit gräflichem Lehngut, das sie an bäuerliche Meier im Streubesitz ausgaben. Die ersten sicheren zusammenhängenden Nachrichten über ihren grundherrschaftlichen Besitzstand stammen aus viel späterer Zeit (um 1700).

In den Städten Oldenburg und Delmenhorst waren die Bürger mit besonderen Vorrechten ausgestattet, Leibeigene konnten nicht als Bürger aufgenommen werden. Die Geistlichkeit bestand aus den Pfarrern und Diakonen der Kirchen im Lande, der Geistlichen des Lamberti-Stiftes u. der Kirchen in der Stadt Oldenburg, sowie der Marienkirche in Delmenhorst. Dazu kamen die Aebte und Mönche von Rastede und Hude, die Schwestern des Kloster Blankenburg, die Augustinereremiten, die seit 1307 in der Stadt Oldenburg eine Ansiedlung hatten, die Franziskaner-Terminarie, die 1354 ebendort erwähnt wird und die Johanniter in Oldenburg, Hahn, Strückhausen u. Bredehorn.
 
Die Landbevölkerung zerfiel in freie Eigentümer, freie Meier, die auch "Kloppenleute" hiessen und unfreie Meier u. Leibeigene. Die Meier sassen auf ihren Höfen, die ihnen nach Meierrecht von den Grafen, den Adeligen, der Geistlichkeit oder von Bürgerlichen als Grundherren überlassen waren.

An der Spitze der Verwaltung stand der, aus der Zahl der Burgmannen entnommene Drost (dapifer), dessen Befugnisse die gesamte Hof- u. Staatsverwaltung umfassten. Er führte das Aufgebot der Ritterschaft. Unter dem Drosten standen die Vögte oder Amtsleute, die in der Regel aus dem Adel entnommen wurden. Die Burgmannen hatten ihren besonderen Gerichtsstand unmittelbar unter dem Grafen. Wurden von einem Bürger Klagen um Schuld gegen sie erhoben, so sass der Graf zu Gericht.

Ein stehendes Heer gab es nicht, die Burgen u. Befestigungen waren besetzt, das war alles. Neben dem Landesaufgebot der gemeinen Leute zu Fuss bestand der Dienst des Lehnsadels, der auf den Ross dienstpflichtigen Gütern sass u. in den zahlreichen Fehden herangezogen wurde. Die Ritter u. Knappen, die Lehn von den Grafen trugen, taten dafür den Rossdienst, führten zu Ross das Fussvolk des Landesaufgebots u. zahlten keine Abgaben.

Schon frühzeitig war es den Grafen gelungen den Einfluss der Ritterschaft zurückzudrängen u. die Bildung von Landständen zu verhindern. Der schon im 15. Jahrhundert durch die zahlreichen Fehden wirtschaftlich gebrochene Adel verarmte im 16. Jahrhundert vollends, weil ihm sein Besitz an Meiergütern nach und nach aus den Händen glitt.

Sehr bald sollten die beiden Gebrüder von der Lippe Gelegenheit haben ihre Vasallentreue als Dienstmannen des Grafen von Oldenburg zu beweisen, indem sie an einem Fehdezuge desselben teilnahmen.

1538 versuchte Graf Anton im Verein mit seinen Brüdern zunächst und auf diplomatischem Wege die Herrschaft Delmenhorst wiederzuerlangen, weil 1482 ihr Vorfahr, Graf Gerhard der Streitbare an den Bischof von Münster, Graf Heinrich zu Schwarzburg verloren hatte. Als die Verhandlungen keinen Erfolg hatten, warben Graf Anton und sein Bruder Christop Reiter und Knechte, sagten dem Stift Münster auf und zogen in das münstersche Gebiet, wo sie zunächst "Haus u. Stadt Vechte" nicht allein beschossen, sondern auch am Sonntag Exaudi (2. Juni) eroberten u. ausbrannten. "Imgleichen seiend auch die Cloppenburg u. das Städtlein dafür eingenommen, die Bauern im Embszland hin u. wieder besucht u. den 22. Juni das Hauss Harbstette ebenermassen erobert worden." (Hamelmann Oldenb. Chronik S. 367).

Als sich nun Bischof Franz zu Münster "geborener Graff zu Waldeck" aufmachte u. den oldenburgischen Grafen – unterstützt durch die Landgrafen von Hessen, der im "etztliche Pferde u. Landvolk zugeschicket" u. durch die von Bremen – mit überlegener Macht entgegenrückte, zogen sich Graf Anton u. die Seinen auf Oldenburg zurück, verfolgt von den Münsterischen, deren "Obrister Feldherr Johann von Rassfeldt gewesen ist. "Die Münsterischen hausten furchtbar im Lande, verbrannten Rinderhagen u. das Dorf Wardenburg mit seiner Kirche, nachdem sie die Glocken herausgenommen, die sie nachher in Bremen verkauften. Auch Hundsmühlen, die Dörfer Tungeln, Edewecht, Bümmerstede u. alle Häuser von Sreeke u. i der Umgegend wurden in Asche gelegt u. das Haus (die Burg) Apen am 23. Juli genommen. Im Stedingerlande hausten die Feinde schrecklich u. Berne wurde ausgebrannt.

Natürlich wurden auch die von unseren Vorfahren bei Hatten erworbenen Güter, welche mitten in dem vom Kriegsgetümmel durchtobten Landstriche lagen und den vorerwähnten "in Asche gelegten" Orten dicht benachbart waren, durch die Verwüstungen, Requisitionen, Brandschatzungen und Gräuel des mit barbarischer Grausamkeit geführten Krieges auf das Härteste mitgenommen und geschädigt. Durch einen am 30. Juli zu Wideshausen geschlossenen Frieden wurde der Streit geschichtet. Delmenhorst verblieb diesmal dem Bistum Münster.

Noch ein zweitesmal sollte die Vasallen- und Dienstmannentreue der Brüder auf die Probe gestellt werden: 1547 wurde die Stadt Bremen, welche zum schmalkaldischen Bunde gehörte und sich gerüstet hatte gegen den Kaiser und den Erzbischof Christoph, Herzog Heinrichs von Braunschweig Bruder, ihre Glaubenfreiheit zu verteidigen von Herrn Jobsten von Gröningen, Statthalter in Seelandt, und andere Kaiserlichen Kriegskommissarien gantz hefftig belegert". Dieweil nun deshalben und nach solcher Gelegenheit viel durchreisende durch Delmenhorst war, imgleichen auch ihrer viel zu Ross u. Fuss dem Lager zu ziehen, oder sonst Victualien und andere Notdurft zuführen wollten (Ueber Delmenhorst ging die , besonders für die hanseatischen Kaufleute sehr wichtige Botenstrasse von Lübeck bis Amsterdam, auf die die Botenposten der Kaufleute und ihre Warenzüge von dort über Wildeshausen nach den Niederlanden zogen) liess der Bischof Franz zu Münster, als der den protestierenden Fürsten heimlich zugetan, durch seinen Drosten auff dem Hause Delmenhorst, Hermann von Oehr, denselbigen den Pass verlegen, sie aufhalten, beschädigen oder andere Beschwerungen zufügen." Auf Zureden der Belagerer beschloss Graf Anton von Oldenburg jetzt sein väterlich Patrimonium Delmenhorst wiederzunehmen. Der Drost der Festung hatte unvorsichtigerweise einen Teil der Besatzung am Donnerstag vor Palmarum beurlaubt. Graf Anton, dem das kundgetan wurde, zog eilends mit seiner rasch aufgebrachten, gegen 500 auserlesenen und wohlbewerte Mann betragende Kriegsmacht, bei welcher sich auch unsere beiden Vorfahren befanden, über die Osenberge gegen Delmenhorst.

Am Palmsonntag, den 2. April, 3 Uhr früh kam das kleine Korps in der Stadt Delmenhorst an u. schritt sogleich zum Angriff auf die Burg. Dieselbe war infolge des morastigen Geländes auf 3 Seiten sturmfrei, nur nach dem Zollhause zu führte ein schmaler Damm, der mit Balken verrammelt war. So geräuschlos wie möglich wurden diese entfernt, mit den mitgenommenen Böten die Graften überschritten und die Zugbrücken abgehauen. Das Schloss des Burgtores wurde aufgeschlagen, mit Tauen die Stakete heruntergerissen und mit Aexten, Sägen u. Beilen der Weg zur Ersteigung des Walles gebahnt. Die völlig überraschte und erst durch den Lärm der Angreifer allarmierte schwache Besatzung wehrte sich verzweifelt mit langen Schwertern und Spiessen, feuerten Hagelschusssteine und warf brennende Pechkränze auf die Angreifer, vermochte aber nicht mehr dieselben zurückzuschlagen. Nach dreistündiger heisser und blutiger Arbeit wurde die Festung besetzt, nachdem sie 65 Jahre in Besitz Münsters gewesen war. Unmittelbar darauf wurde auch das "Haus Harbstette" genommen.

Es scheint fast, als müssten wir die beiden Brüder v.d.L. seit dem schrecklichen Kriegsjahre 1538, in welchem ihre Güter verwüstet und der grösste Teil ihrer Habe verloren gegangen war, als in persönlichen Diensten der Grafen von Oldenburg befindlich annehmen, welcher sie vermutlich einigermassen schadlos zu halten versucht, ihnen wohl auch nach der Eroberung von Delmenhorst einen Burgmannshof zum Lehen gegeben hatte. Urkundlich steht fest, dass in den Jahren 1552/3 Hermann u. Hans v.d.L. in seinen Dienste standen. In dem Ausgaberegister des Grafen (Anton I). von Delmenhorst ist folgendes vermerkt:

Anno 1552

Item als de Grave Stenbrugge belegerth, myn gn. Her na dem Lande Brunswick verreisen wolde, Herman v. der Lip vorahn gefahrt,
deme tor terunge gedainII guld.

Item Herman v. der Lip weder affgeferdiget als de Grave Bokelen belegerth, und tor terunge mede gedainII guld.

Item Herman von der Lippe ahn tage Galli (d. i. 16 Okt. 1552) als de Grave von Mansfelde uthe deme Stifft Bremen uptoch na deme Lande Brunswick wendede, affgesanth, tor terunge gedain

Item Donnersdags, in Winachten (d. i. 29. Dez. 1552) Herman v. der Lip weder na
deme Lande Brunswick gesanth, bynnen Alvelde then Scholde, deme tor terunge
gedainII guld.

Die Aufträge, mit welchen Hermann abgesandt, die "Missiven", welche ihm vom Grafen übergeben wurde, kennen wir nicht, sie hingen aber offenbar mit den derzeitigen Kriegsläufen jener bewegten Zeit zusammen. Für die letzte der obigen Aufzeichnungen gibt folgender Absatz der Oldenburgischen Chronicon von Hamelmann (S. 375) den historischen Hintergrund:

"Im Jahre 1552 ist Hertzog Heinrich (zu Braunschweig) wiederumb von Herrn Albrechten / u. Herrn Vollrathen / Vater u. Sohn / Graven zu Manszfeldt (mit Krieg) überzogen und das gantze Land Braunschweig Wolffenbüttelschen Theils eingenommen / ausserhalb der Festung Wolffenbüttel und der Stadt Alfeldt .... Dazumahl hat Graff Anthonius Hertzog Heinrichen etzliche Fähnlein wolgeputzter Knechte zugesandt / unter Hauptmann Cumpan von Roddensen (einem Butienter, d. i. Mann aus Butjadingen) / von welchem etzliche in die Stadt Alvelden / etzliche auff Wolffenbüttel verlegt / die sich darinnen dermassen verhalten / dass obbeürte Grafen von Manszfeldt dern keins mechtig geworden / sondern davon abziehen müssen / u. haben die Braunschweigischen hernachher mit hülffe der Oldenburgischen das gantze Landt wiederumb eingenommen."

Aus dem Jahre 1553 ist nachfolgende Eintragung anzuführen:

Item Frigdags na Mey (d. i. 5. Mai 1553) Hans v. der Lip inth Leger vor Minden gescicket wurden, pp....

Das genealogische Verhältnis zwischen Hermann u. Hans ist nicht geklärt. Ob sie überhaupt zu unseren Vorfahren gehören und, wenn dieses zu bejahen ist, ob wir in ihnen die vorstehend erwähnten beiden Brüder erblicken dürfen, oder ob evtl. schon die folgende Generation in Frage kommt, bleibt dunkel. – Auch über die nächsten Nachkommen der Brüder fehlen uns leider alle sicheren Nachrichten, doch ist wohl sicher, dass sie als Nachkommen verarmter Edelleute, die keine besondere Stellung hatten, mit Glücksgütern nicht gesegnet waren und anscheinend als Hofjunker in bescheidenen Verhältnissen lebten. Auch darüber ist uns nichts überliefert worden, in welcher Weise sie an den historischen, die Grafschaften betreffenden Ereignissen der nächsten Zeit Anteil genommen haben.

Es war Kaiser Karl V. nicht gelungen nach seinem Siege bei Mühlberg am 24.IV.1547 Norddeutschland zu unterwerfen. Der Protestantismus verdankte seine Rettung teils dem durch Graf Albrecht von Mansfeld u. Graf Christoph von Oldenburg am 23.V.1547 erfochtenen Siege bei Drakenburg an der Weser, wo Herzog Erich v. Braunschweig eine entscheidende Niederlage erhielt und des Kaisers Einfluss im Nordwesten Deutschlands zurückgedrängt wurde. Graf Anton, der ungeachtete der dem Protestantismus gewährten Unterstützung aus politischen Gründen auf des Kaisers Seite stand, wird diese Nachricht vom Siege seines Bruders mit gemischten Gefühlen begrüsst haben.—Ungeachtet des am 2. VIII.1552 abgeschlossenen Vertrages zu Passau hatte Markgraf Albrecht v. Brandenburg die süddeutschen Bistümer wieder mit Krieg überzogen und dort entsetzlich gehaust. Da erhob sich Kurfürst Moritz von Sachsen gegen ihn und schlug ihn mit Hilfe Herzog Heinrichs v. Braunschweig, des jüngeren, am 9.VII. in der mörderischen Schlacht bei Sievershausen.

Graf Christoph, der unruhige Mann, war vorher, so auch weiterhin in die zahlreichen Händel des Interims und der sogenannten Fürsten-Revolution unter Moritz von Sachsen verwickelt, in welcher er bald für diese, bald für jene Seite Partei ergriff, bis der Friede von Augsburg 1555 diesen wilden Kämpfen ein Ende machte und dem lutherischen Bekenntnis freie Ausübung der Religion brachte. Nachher begab er sich allgemach zur Ruhe und hielt sich meistens in Bremen oder im Kloster Rastede auf, wo er am 4. VIII.1566 gestorben ist.

Graf Anton beteiligte sich mit einem von ihm geworbenen aus etwa 15 Fähnlein Landsknechten u. 300 Reitern bestehendem Regiment am Kriege gegen die Dithmarscher. – Am 3. VI.1566 verbreitete sich die PEST in Oldenburg. Die "feurige Pestilenz" der "schwarze Tod", diese Geissel des Mittelalters hat auch unsere Heimat nicht verschont und sie wiederholt heimgesucht. Sie blieb lange Zeit bei uns. Im Herbst 1575 griff sie auf der "Osternburg" um sich und trat dann nach der Stadt über, wo aber nur wenige starben. Schlimmer trat sie von September 1577 bis April 78 auf.

Als die Pest erloschen war, verfügte Graf Johann, um ihr Wiederaufleben zu behindern, eine Reihe von für jene Zeit höchst bemerkenswerten higienischen Vorsichtsmassregeln. Er verlangte 1592 bei Strafe, dass die Gassen der Stadt Oldenburg gebessert, sauber gehalten, und soviel wie möglich "von Mist und allem Unflath erledigt", die Schweine von den Wällen ferngehalten und bei der Eversten Pforte kein Unrath mehr niedergeworfen werden sollte. Einige Jahre nachher sah sich der Graf durch das Wiederauftreten der gefürchteten Seuche, die auf alle Lebensverhältnisse drückte, veranlasst der Einwohnerschaft besonders einzuschärfen, dass die Pest, die noch in der Nachbarschaft grassierte, mit Kleidern fortgetragen werde, keiner sollte verdächtige Ware, wie Flachs, Pelzwerk oder Leinewand von Fremden an sich nehmen, alle Schiffer und Kahnführer sollten scharf beobachtet werden, Krüger und Auskündiger hatten auf die Wandersleute zu achten, verdächtige Kleider und Geplunder sollten ihnen genommen, in Wasser gesteckt, vergraben oder verbrannt werden. – Dieser Erlass wurde von allen Kanzeln verkündigt und den Uebertretern schwere Strafen angedroht.

Es war ein grosser Gewinn, dass zum erstenmale ein angesehener Arzt, Dr. Neuwald, früher Professor med. in Helmstädt, der 1597 vom Grafen Johann VII, als Leibarzt angestellt, in Oldenburg seinen Wohnsitz nahm und dass auf sein Betreiben dort die erste Apotheke gegründet wurde. Die Wiederkehr der gefürchteten Pest konnten indessen alle diese Massregeln doch nicht verhindern. – Am 1.XI.1570 erhob sich bei Neumond eine Springflut, welche das ganze Küstengebiet unter Wasser setzte und enormen Schaden zufügte. (300000 Gulden für die Lande des Grafen Anton). In dessen letzten Regierungsjahren wiederholten sich die schon unter seinem Vater entbrannten Streitigkeiten mit Bremen um den Weserzoll und die Hoheit auf dem Strome. Das überhandnehmende Seeräuberwesen, das den bremischen Handel stark beeinträchtige, gab zu lebhaften Klagen Veranlassung.

Graf Anton I. starb am 22.I.1573, sein ältester Sohn Johann VII. folgte. Durch den am 20.II.1575 erfolgten Tod des "Fräulein Maria von Jever" fiel ihm diese Erbschaft zu. Auf das unausgesetzte Betreiben seines Bruders Anton II. trat Johann diesem nach langen Widerstreben am 2.II.1577 die Grafschaft Delmenhorst nebst Harpstedt und Varel ab. Er starb am 12.XI.1603. – Sein Sohn Graf Anton Günther übernahm, erst 20jährig, die Regierung in einer Zeit, als der religiöse und politische Gegensatz zwischen Protestantismus und Katholizismus für das deutsche Vaterland die grössten Gefahren brachte. Klug, verständig wohlunterrichtet, ein guter Haushalter und ein geborener Finanzmann, diplomatisch gewandt, hat er es verstanden, sein kleines Land durch die verheerenden Stürme des 30jährigen Krieges hindurch zu bugsieren, ohne dass dasselbe, wie die meisten deutschen Staaten durch die Kriegsgräuel bis nahe an die völlige Vernichtung allen Wohlstandes verwüstet wurde.
Vom Jahre 1619, also 1 Jahr nach dem Ausbruch des Krieges, stammen die nächsten dürftigen Nachrichten über unsere Vorfahren. Sie finden sich in alten Stadtrechnungen, Rottbüchern, Seelenzahlregistern und dergleichen im Grossherzoglichen Haus- und Staatsarchiv in Oldenburg. Nach einem "Mannzahlregister" lebte damals

Johann von der Lippe

auf der Osternburg bei Oldenburg. In den Jahren 1620, 26 und 30 war dieser Hausbesitzer in Oldenburg. In den Mannzahlregistern von Osternburg 1586, sowie in den Rottbüchern von Oldenburg 1586, 1614 und 15 wird kein v. d. L. genannt.

Trotz seiner grossen staatsmännischen Gewandtheit hatte Graf Anton Günther es doch nicht verhindern können, dass sein kleiner Staat von den Schrecken des Krieges empfindlich berührt wurde. Mansfeldtsche Truppen, welche nach einem verheerenden Zuge durch die münsterischen Aemter Meppen, Vechta und Cloppenburg Ostfriesland besetzt hatten, rückten am 15.XI.1622 in das Amt Neuenburg, besetzten Ellenserdamm mit 3 beutelustigen Kompanien. Streifende Rotten drangen plündernd und verwüstend in's Delmenhorstische und in die Vogtei Hatten ein. Den dringenden Vorstellungen Anton Günther's gelang es erst am 30.XII. Mansfeldt zum Abzug zu bewegen und den Pass einer verstärkten oldenburgischen Besatzung wieder einzuräumen.

Am 17.V.1623 kam eine Reiterabteilung Mansfeldts über die jeversche Grenze, setzte sich in Garmsiel fest und entsandte kleine Streifen nach Horumer Schillig und Hocksiel. Das jeversche Landaufgebot trieb dieselben indessen mit blutigen Köpfen über die Grenze zurück. Im August 1623 zog der ligistische General Tilly, Mansfeldts Gegner, mit seinen Truppen über Meppen nach Cloppenburg, überschritt am 2. IX. die Grenzen der Grafschaft Oldenburg und bezog bei Wardenburg ein Lager. Die Gemeinden der Umgegend, besonders Hatten, wurden durch Einquartierung übermässig belastet. Streifende Rotten setzten vom Lager ab, fielen in die Gemeinden ein, um Vorwerke und ganze Dörfer auszuplündern. Erst am 23.XI. zog Tilly ab, nachdem er mit 25000 Mann 3 Wochen im Lande gelegen hatte. Mitte Januar 1624 setzten Mansfeldt seine zusammengeschmolzenen Truppen aus Ostfriesland in Bewegung, welche ebenso wie die glücklicherweise nicht mehr sehr zahlreiche Soldateska des Herzog Christian von Braunschweig ihren Weg durch das Oldenburgische.

Nachdem König Christian IV. am 27.VIII.1626 bei Lutter am Barenberge geschlagen war, verschonte Tilly auch Oldenburg nicht mehr. Ende Oktober rückte Graf Fürstenberg mit einem Regiment zu Fuss und den Curtenbachschen 5 Reiterkompanien heran, besetzte Harpstedt und drang mit seinen Horden verwüstend in die Grafschaft Delmenhorst ein. Wildeshausen, Dötlichen und die ganze Umgebung wurden ausgeplündert. Erst als dänische Truppen sich der Weser näherten, verliessen die Unholde das Land, aber nicht ohne vom Grafen Anton Günther und der Gräfin Sibylla Elisabeth von Delmenhorst (Witwe Anton II.) noch eine Kontribution von 30000 Reichstalern zu erpressen.

Am 11.XII.1627 bezogen Tillysche Truppen Winterquartiere in Oldenburg. Das gräflich Fuggersche Reiterregiment belegte das Stedingerland, Feldmarschall Anholt Neuenburg und Jever mit seinem Stabe. Der Oberst Comargo rückte ins Land, Apen und Ovelgönne besetzend, dazu kamen noch 5 Kompanien Erwittescher Reiter. Durch Raub, Plünderung und Gewalttätigkeiten wurden die unglücklichen Einwohner aufs Aergste gepeinigt. Weder Tilly noch Wallenstein hörten auf die Klagen Anton Günthers. Im November 1628 kamen sogar noch 4 Kompanien Gallasschen Fussvolks hinzu. – Das Land atmete erst auf, als König Christian IV. am 22.V.1628 mit dem Kaiser und der Liga den Frieden zu Lübeck schloss. – Die Truppen Tillys wurden indessen erst im April 1631 herausgezogen. Dem Lande war ein Schaden von etwa 10 Millionen – nach heutigem Wert - entstanden.

Im weiteren Kriegsverlauf blieben die Grafschaften mit unerheblichen Ausnahmen vom Feinde verschont, Graf Anton Günther wurde aber mehrfach zu bedeutenden Kontributionen herangezogen. Die Grafschaft Oldenburg kam in den Ruf eines Asyls, wo viele Leute aus der Nachbarschaft Zuflucht suchten und der Kaufmann ruhig seine Strassen zog. Als endlich der Friede zu Osnabrück 1648 kam, hatten die Grafschaften die Leiden des Krieges leidlich überwunden. Durch den Tod des Grafen Christian zu Delmenhorst fiel auch diese Grafschaft, nach 70jähriger Trennung an Anton Günther zurück.

Anno 1642 am 7. Januar, also 12 Jahre nach der Erwähnung Johanns v. d. L. liessen laut Taufregister der St. Lamberti-Kirche zu Oldenburg

Carsten von der Lippe,

vermutlich Johanns Sohn, und seine Frau Almuth einen Sohn taufen und Carsten benennen. Am 25.VI.1655 folgte eine Almuth.

Die Zeiten waren schwer. Wohl war der Bauernstand ungebrochen aus dem langen Kriege hervorgegangen, immerhin drückten die Lasten und Abgaben schwer. Auch unsern Vorfahren scheint es nicht anders gegangen zu sein. Wir finden Carsten 1648 im Kontributionsanschlag der Stadt Oldenburg, wo er mit 3 Reichstalern 3 Sgr. zu einer dieser Steuern herangezogen wurde.

Anton Günther, letzter Graf von Oldenburg und Delmenhorst starb am 29.VI.1667 zu Rastede im 84. Lebensjahre, im 64. Regierungsjahr. Sein illegitimer Sohn, Graf Anton von Aldenburg ergriff als Statthalter im Namen der Lehnsnachfolger, des Königs Friedrich III. von Dänemark und des Herzogs Christian Albrecht von Holstein Gottorp Besitz von den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst.

Kaum hatte der alte Graf die Augen geschlossen, da brach ein entsetzliches Unglück über die Stadt Oldenburg herein. Durch einen Soldaten, der ohne Urlaub in Bremen gewesen war, wurde Anfang August die Pest in die Stadt geschleppt, die sich mit unheimlicher Geschwindigkeit verbreitete. Als die Sterblichkeit sich steigerte, entstand eine Panik. Aus der Nähe verpesteter Häuser flüchteten in Hast die Nachbarn mit ihrer beweglichen Habe und suchten nach anderen Orten zu entkommen, zum Teil lagerten sie an den grossen Heerstrassen und schreckten die Reisenden ab, sodass Handel und Verkehr in's Stocken gerieten. Nachdem die unheimliche Krankheit zeitweise 30-40 Personen in der Woche dahingerafft hatte, schien sie Anfang 1668 erlöschen zu wollen, brach aber bald nach Pfingsten von neuem aus. Daher zog der Statthalter im Juli 1668 mit der Regierung nach Delmenhorst. Erst Ende November liess die Seuche nach und Mitte Februar 69 wurde die gräfliche Kanzlei nach Oldenburg zurück verlegt.- Nach einer Liste des Archivs starben an der Pest in der Zeit vom 4.IX.67 bis 1.VI.68 an 450 Personen, dann wurde die Verwirrung so gross, dass die Liste nicht weitergeführt wurde. Die Stadt war übel zugerichtet, für die Häuser fanden sich weder Käufer noch Mieter, Handel und Wandel erlahmte, die Stadt war mit Schulden überlastet. Doch das Mass des Unglücks war noch nicht voll. Am 27.VII.1676 wurde die Stadt von einer Feuersbrunst heimgesucht, die durch Blitzschlag entstanden war. Mehr als 700 Wohnungen und gegen 230 Nebengebäude wurden mit allen Vorräten ein Raub der Flammen, darunter der "Schüttling", das Stadt-Pfarrhaus, die Heiligengeist-Kirche., 3000 Einwohner waren wieder obdachlos geworden. Die seit dem verheerenden Pestjahren sich langsam erholende Stadt war furchtbar hart getroffen und ihre neukeimende Blüte auf lange Zeit geknickt.

Die friedlichen Zeiten waren auch dahin, da Oldenburg nun in die Schicksale Dänemarks verwickelt wurde, das nicht imstande war, die weitabliegenden Gebiete zu schützen. – König Christian V. trat 1675 auf die Seite des "Grossen Kurfürsten", des Siegers von Fehrbellin, und nahm mehrere Jahre hindurch an den glücklichen Kriegen gegen Schweden, Frankreichs Bundesgenossen, teil. Als im Frieden zu Nymwegen Holland, Spanien und der Kaiser mit Ludwig XIV. Frieden gemacht hatten, blieben Brandenburg und Dänemark allein noch im Felde, wo jetzt Frankreich kräftig für Schweden eintrat. Kurfürst Friedrich Wilhelm wurde durch den Einfall der Franzosen in seine westlichen Besitzungen gezwungen, den Frieden von St. Germain en Laye zu schliessen. Die Franzosen rückten unter Marschall Crequi zunächst bis Minden vor und forderten eine Kontribution von Oldenburg. Bewaffnete Scharen ergossen sich über das Land und eine Reiterabteilung drang bis Oldenburg vor, wo sie bei Iprump, unweit Blankenburg, ein Lager bezogen. Bei den nun in der Wunderburg bei Osternburg erfolgten Verhandlungen wurde der Stadt 124000 Reichtaler Kontribution auferlegt. Ausserdem mussten dem Marschall Crequi 9 isabellenfarbige Pferde nach Paris geliefert werden. 4 Beamte wurden als Geiseln mitgenommen. Am 31.I.1679 endlich zogen die Franzosen nach Minden ab.

Carsten v. d. L., den wir zuletzt am 25.VI.1655 bei der Taufe seines Töchterchens Almuth begegnet sind, erscheint urkundlich nicht wieder, ebensowenig seine Familie. Sie dürfte der Pest zum Opfer gefallen sein. Wir finden aber in den Kontributions-Anschlägen und Stadtrechnungen von Delmenhorst von 1679 bis 1705 einen

Claus (Nikolaus) von der Lippe,

in welchem wir m. E., wie das weiter ausgeführt werden wird, den ältesten Sohn des Vorgenannten zu erblicken haben. Sein Stand oder Beruf wird nicht angegeben, doch war er Hausbesitzer und Ackerbürger auf einem der alten Burgmannshöfe. Das Seelenzahlregister von Delmenhorst gibt und 1681 noch andere wertvolle Aufschlüsse:

Es werden nähmlich aufgeführt:

[1]Claus von der Lippealt40 Jahr
[2]Frau "Gesche" v.d.L.:. (Gesina)alt39 Jahr
Kinder:
[3]Christian v.d.L.alt3 Jahr
[5]Hans v.d.L.alt1 Jahr
Joh. Vogtalt12 JahrKinder aus erster
Tonnies Vogtalt10 JahrEhe der Frau

Demnach ist Claus (Nikolaus) 1641 geboren.  Er dürfte nach Delmenhorst, wo unser Name mit ihm zum 1.mal vorkommt, eingewandert sein, und zwar aus Oldenburg, wo die Familie ja schon längere Zeit ansässig war. In den oldenb. Kirchenbüchern ist er nicht aufzufinden, da diese nur bis 1642 zurückreichen. man wird in Claus wohl unbedenklich den älteren Bruder des am 7.I.1642 in Oldenburg getauften Carsten annehmen dürfen. Auf die Frage nach der Veranlassung zum Wechsel seines Wohnsitzes, kommen verschiedene Gründe in Betracht. Der nächstliegende wäre die Verheiratung mit der Witwe Vogt, welche wir, da das älteste Kind dieser Ehe 1681 dreijährig war, spätestens in das Jahr 1677 verlegen müssen. Wahrscheinlicher erscheint, dass er – gleich dem Statthalter, der Regierung und vielen seiner Mitbürger --- durch die Pest 1667/8 aus Oldenburg vertrieben wurde, nachdem ihm die Seuche Eltern und Geschwister genommen hatte. Auch der furchtbare Brand 1676 kann sein Elternhaus vernichtet haben. In den alten Delmenhorster Bürgerverzeichnissen von 1625 und 1636 kommt unser Name nicht vor. Zum erstenmale wird Claus dort erwähnt 1679, also 38jährig, als Steuerzahler in den Stadtrechnungen.

Diese Familie Vogt, mit der er sich verschwägert hatte, gehörte schon seit langem zu den angesehensten des Landes. 1537 hatte Nikolaus Vogt, der anfangs katholischer Geistlicher, dann Magister und Lizentiat der Rechte war, unter Anton I. die "Cantzlerwürde" erlangt und gehörte zu den "fürnehmsten" Beamten.

Christian [3], der älteste Sohn des Claus, ist demnach 1678 geboren.  Die Bestätigung finden wir im Kirchenbuch zu Delmenhorst, wo es im Verzeichnis der 1754 Gestorbenen heisst:

"den 8.May Mittags um 12 Uhr gestorben, den 14. öffentlich auf hiesigem Kirchhofe begraben Christian von der Lippe, Bürger hierselbst, alt 78 Jahre, 11 Monate, 2 Tage."

Er ist demnach geboren am 6.VI.1678. Da sich im Delmenhorster Kirchenbuche leider eine Lücke befindet, die die Zeit vom 15.Dezember 1669 bis 10. September 1678 umfasst, so bot die sicherer Festsetzung seines Geburtsorts einige Schwierigkeiten. Indessen schon die genaue Angabe seines Alters bei der Eintragung seines Todes lässt mit Wahrscheinlichkeit vermuten, dass er in Delmenhorst auch geboren wurde.

Am 13.X.1705 verheiratete sich Christian in Delmenhorst mit Gesina (Geszke oder Gesche) Heer [4] aus …. . Er lebte in bescheidenen Verhältnissen als Ackerbauer und Hausbesitzer wie seine Vorfahren, auf dem von seinem Vater übernommenen Hofe (Burgmannshof) in Delmenhorst, welches (bis 1773) unter dänischer Herrschaft stand. Die Verwaltung wurde durch von Dänemark eingesetzte Gouverneure oder Oberlanddroste besorgt. Die Grafschaft Oldenburg bestand aus 5 Aemter, und 13 Vogteien, die Grafschaft Delmenhorst aus 4 Vogteien. Landgerichte bestanden zu Oldenburg, Neuenburg, Delmenhorst und Ovelgönne unter Landvögten. Amtsgerichte in Landwührden, Schwei und Varel. -- Die "Häuser" (Festungen) Oldenburg, Jever, Ovelgönne, Apen und Neuenburg hatten ihre Drosten, welche gleichzeitig Kommandanten dieser "Vesten" waren und die Aufsicht über die Deiche und Dämme hatten. Die alte Stadt Oldenburg wurde auf den Trümmern der grossen Brandstätte langsam wiederaufgebaut. 1679 standen wieder 400 Häuser, dann stockte der Neubau, auch später blieben grosse Lücken, so ist der Häuserblock, der auf dem heutigen "Waffen-, früher Baracken-Platz" gestanden hat, durch den Brand verschwunden.

Aus Christians Ehe gingen folgende Kinder hervor:

1.Nikolaus [6], getauft Delmenhorst 3.VI.1706. Er soll in jungen Jahren ausgewandert sein und ist verschollen.
2.Jakob Anton [7], getauft 14.I.1709. Verbleib unbekannt.
3.Christian Heinrich [8], getauft 21.IX.1712.  Unter den Gevattern Joh. Vogt, der Stiefbruder seines Vaters und Heinr. Heer, Verwandter der Mutter. Er verheiratete sich am 19.XI.1737 mit Adelgunde Hedwig Neumann [9]. Seit 1745 entrichtete er die bis dahin von seinem Vater gezahlten Grundbesitzer-Steuern, voraus zu entnehmen, dass dieser sich dann zur Ruhe gesetzt hat und bei ihm bis zu seinem Tode gewohnt hat.
4.Johann Friedrich [10], über welchen das Weitere folgt.

Unser Heimatland hatte ferner schwer zu leiden unter den grossen Fluten: "Katharinen-Flut" 25.XI.1685 und "Martini-Flut" 12/3.XI.1686. Besonders die Weihnachts-Flut 1717 kostete über 4000 Menschen und vielen Tausend Stück Vieh das Leben. Abermals am 31.XII.1720 brach das Wasser in Butjadingen ein und zerstörte den Wiederaufbau.

Der vierte Sohn Christians:

Johann Friedrich [10],

geb. Delmenhorst 1.IV.1715, wurde von seinen Eltern insbesondere von seiner gottesfürchtigen Mutter zu gläubigem Christentum angehalten und nach den Worten des Comenius (Amos, Bischof der böhmischen Brüder, geb. 1591, ist Schöpfer der neuen Pädagogik und des modernen Humanitätsbegriffes anzusehen. Er war ein Heros der Gewissensfreiheit):

"Des gantzen Wolstands in gemein
Grundfest ist disz eintzig allein
Dasz die aufwachsende Jugend
Recht erzogen werd zur Tugend."

erzogen. Von Natur mit ungewöhnlichen musikalischen Anlagen begabt, hat er "allezeit Musicam liebgehabt und viele Zeit damit zugebracht." Auf der lateinischen Schule zu Delmenhorst ragte unter seinen Lehrern der Konrektor Michael Herbart, der Grossvater des berühmten Philosophen, hervor, der dem Formalismus der Zeit durchaus abhold, den Ideen von Leibnitz Eingang verschaffte. Als dieser 1734 als Rektor nach Oldenburg berufen wurde, hatte Johann Friedrich die Schule verlassen, um in Kopenhagen zu studieren. Am 7.I.1738 wurde ihm das Schulamt in Edewecht übertragen und am 8.X. des folgenden Jahres trat er in den Ehestand mit der "ehr- und tugendsamen Jungfrau" Catharina Elisabeth Hänsschjen [11], des weiland Johann H. Amtmann zu Delmenhorst nachgelassener Tochter". Nach deren Tode schritt er 1752 zur zweiten Ehe mit

Margaretha Elisabeth Hanfstengel [12] aus Oldenburg.

Seinen Kindern, von denen ihn 2 aus erster und 2 aus zweiter Ehe überlebten , gab er eine vortreffliche Erziehung und scheute trotz seiner bescheidenen Verhältnisse keine Kosten für ihre Ausbildung.

Obwohl unsere Heimat heute noch als eine stille und abgelegene Ecke gilt, so war sie doch nicht von der Welt abgeschnitten. Die bescheidenen Anfänge des Postwesens brachten das Ländchen in Verkehr mit der übrigen Welt. Die Post war zu Johann Friedrichs Zeiten ein Privatunternehmen "mit königlichem Charakter". Graf Anton Günther ist als Gründer der oldenb. Post anzusehen. Nach dem 30jährigen Kriege waren ausser einer gutgeregelten und weitverzweigten Wagenfahrt durch Landleute folgende Posten in Wirksamkeit, welche die Grafschaften mit der Welt verbanden: die 1656 eingerichtete Landespost, das Botenwerk der hanseatischen Kaufleute und seit 1660 eine Reichspost vom Bremen über Delmenhorst – Oldenburg nach Groningen, woran der Postmeister von Höfften eine Zweigpost nach Aurich, Norden und Jever schloss. 1734 wurde eine neue Fahrpost errichtet von Bremen über Delmenhorst – Oldenburg – Apen – Leer nach Neuschanz. Diese Fahrposten führten ein königliches Siegel. Interessant ist, dass trotz der teuren Zeiten die Kopenhagener Regierung eine Reihe von Erlassen gegen den Luxus für nötig hielt, die vornehmlich den Zweck hatten, das Geld im Lande zu halten, aber den Kaufmannsstand erheblich schädigten. Kostbare Stoffe mit Gold und Silber in den Trachten, in Möbelbezügen an Wagen und Pferdezeug, Brokatseide, mit Ausnahme der chinesischen, die auf dänischen Schiffen hereinkam, Diamanten, Juwelen u. Perlen wurden bei empfindlichen Strafen verboten. Diese Verordnungen waren umso auffallender, als gerade der dänische Hof unter dem Einflusse der Königin Sophia Magdalena sehr verschwenderisch lebte.

Als hervorstechende Eigenschaft Johann Friedrichs müssen wir eine wahrhaftige, tiefinnerliche Gottgläubigkeit u. Frömmigkeit bezeichnen, zu der er sich wohl nicht ohne innere Kämpfe durchgerungen. Sie ist umso höher zu bewerten in einer Zeit, wo die so genannte "Aufklärung" schneller wie je zuvor in alle Stände eindrang. Kennzeichnend für ihn ist sein am 8. III. 1790 errichtetes Testament, in welchem es heißt:
 
"Im Namen der hochheiligen Dreieinigkeit Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes und Gottes des heiligen Geistes. Amen."
Demnach ich Endesunterschriebener Johann Friedrich von der Lippe mich meiner Sterblichkeit erinnere, zumal da der gütige Gott mich in meinen bisherigen Amtsjahren durch seine große Gnade ein ziemlich hohes Alter hat erreichen lassen, inmassen am bevorstehenden 1. April dieses laufenden Jahres 75 Jahre verstrichen, die mir Gott glücklich überwinden geholfen, so habe ich zu mehrer Beruhigung und Befriedigung meines Gewissens, auch zur Vorbeugung irgend eines Streites oder Zankes unter meinen Erben / folgendes ver…. wollen:
Zuvörderst befehle meine Seele dem dreieinigen Gott, den Leib aber dem Schosze der Erde, bis der Herr am frohen jüngsten Tage Leib und Seele vereinbaret einführen wollte in frohe Wonne und Seligkeit.
Der kleine Nachlass meiner Habseligkeit wollen meine Kinder, nämlich: Gerhard Christian u. Margaretha Elisabeth, verehelichte Hillmanns, erster Ehe, und Gesina Maria auch Nikolaus Adolph zu Neuenburg, zweiter Ehe nach meiner nachbleibenden Witwe Ableben, in der Güte und Verträglichkeit miteinander teilen, jedoch verstehet sich von selbst, dass meine dereinsten nachbleibende Witwe das ihr von Obrigkeitswegen zugeteilte halbe Gnadenjahr in Ruhe u. Frieden allein zu genießen haben soll. Ob nun zwar meine nachbleibende Witwe Lebenszeit Besitzerin meines ganzen Nachlasses, u. die Zinsen von den ausstehenden Capitalien zu geniessen haben soll so verstehet es sich von selbst, dass sie ein Inventarium des ganzen Nachlasses herausgeben muss, damit mehr benannte Kinder wissen können, was ein Jeder nach der Mutter Ableben zu gewarten hat. Übrigens muss ich noch anfügen, im Fall meine nachbleibende Witwe kümmerlich oder kränklich oder schwächlich werden sollte, und mit den Zinsen nicht auskommen könnte, sie alsdann freie Wahl haben soll von dem Capital zu nehmen und davon zu zehren.
Sollte usw.
So geschehen Edewecht, den 8. März 1790 († 30. März 1790!!)
L.S. gez. Joh. F. v.d. Lippe
es folgen 8 Zeugen-Unterschriften

Das allmählich erwachende geistige Leben hatte angefangen sich zu betätigen. 1746 wurde in Oldenburg vom Rektor des Gymnasiums Herbart u. dem Archivar Schloifer das erste Wochenblatt gegründet: die "Oldenburgischen Nachrichten von Staats-Gelehrten u. Bürgerlichen Sachen". Zu diesen lieferte auch Johann Friedrich einige Beiträge. Oft u. schmerzlich hatte er, gleich den besten seiner Landsleute, einen einheimischen Landesherrn vermisst und es bitter empfunden, dass trotz der enormen Steuerlast, das allgemeine Wohl nur eine sehr geringe Förderung erfuhr, dass vielmehr das Land nur als "melkende Kuh" u. willkommene Steuerquelle für Dänemark diente, in wirtschaftlicher, sozialer, rechtlicher u. wissenschaftlicher Hinsicht vernachlässigt u. dem Deutschen Wesen entfremdet wurde. Hatte schon unter König Friedrich V. die Fremdherrschaft dem Lande viel Geld gekostet, so verschlang sie, als sie sich ihrem Ende näherte unter Christian VII. riesige Summen durch Rüstungen gegen Russland. Zar Peter III. machte Ansprüche an das gottorpsche Erbe seiner Väter, den ihm vorenthaltenen Teil von Schleswig Holstein. Das drohende Unwetter aber verzog sich, als Peter ermordet wurde u. die russische Politik in andere Bahnen lenkte. Am 1. VI. 1773 wurden die Grafschaften von König Christian VII. an den Grossfürsten Paul von Russland u. von diesem unter dem Einfluss seiner Mutter der Kaiserin Katharina II. an seinen Vetter, den

Herzog Friedrich August von Holstein Gottorp
Fürstbischof von Lübeck, geb. 20.IX. 1711 – abgetreten.
Gross war die Freude unseres Johannes Friedrich u. er ließ es sich nehmen, als am 12. XII. 1773 der neue Landesherr seinen Einzug hielt, persönlich in Begleitung seines damals 18-jährigen Sohnes Nicolaus Adolph dabeizusein.

Durch Urkunde vom 29. XII. 1774 erhob Kaiser Joseph II. die Grafschaften zu einem reichsunmittelbarem
Herzogtum mit Namen Oldenburg.
Leider behielt der erste Herzog seinen Wohnsitz in Eutin und pflegte nur die Sommermonate in Oldenburg zu verbringen. Auf mehreren Fahrten das Land durchstreifend beehrte er einige der angesehendsten Untertanen mit dem Besuch. So im Sommer 1775 den Fideicommis-Besitzer Hinrich Christian Bunnemann zu Meerkirchen, Großvater meiner Großmutter . Untertanen und Beamte segneten den Wechsel der Regierung, die bald Ordnung in die zerrütteten Finanzen brachte. Am 6. VII. 1785 starb Herzog Friedrich August, "der gute alte Herr", unerwartet an einem Herzschlag. Weil sein einziger Sohn unheilbar geisteskrank war, folgte ihm sein Neffe
Peter Friedrich Ludwig
als regierender Landesadministrator.

Johann Friedrich, der den Tod des verehrten Landesherrn aufrichtig werte, erkrankte 1790 in den ersten Märztagen und starb am 30. III.

In seiner Leichenrede heißt es von ihm: ….Nachdem er nun sein Amt in dem langen und ruhmwürdigen Leben, zwar mit vieler Widerwärtigkeit u. Verdruss, doch mit aller Treue u. Fleiss verwaltet, so ging er den 5. März 1790 als am Buss- u. Bettage, obzwar mit sehr sauren Schritten, zum letzten Mal zur Kirche, legte sich darauf auf sein elendes jammervolles und etwas über 3 Wochen währendes Krankenlager. Worauf er sich, zwar auch mit vielen anderen schönen Sprüchen, besonderse aus dem 2. Timoth. 4. 7. 8. beschäftigte, welcher also lautetet: "Ich habe einen guten Kampf gekämpft u.s.w." Hierauf u. nachdem ich mit Gott u. seinem Erlöser vereinigt, u. dessen Leib u. Blut zur Stärkung seines Glaubens genossen hatte, empfahl er seine Seele, mit völliger Vernunft, in die Hände des ewigen Erbarmens, u. schlief den 30. März morgens um ½ 3 Uhr ganz sanft, ruhig u. selig ein, da er sein Leben auf 75 Jahre weniger 2 Tage gebracht.

Johann Friedrich hinterließ folgende Kinder:

a.aus erster Ehe: 1. Gerhard Christian, Verbleib unbekannt ,
2. Margarethe Elisabeth , verehelichte Hillmann.
b.aus zweiter Ehe:3. Gesine Marie , Verbleib unbekannt

4. Nicolaus Adolph.

Dieser getauft zu Edewecht am 9. XII. 1755, verlebte die erste fröhliche Jugendzeit im Elternhause, wurde in christlicher Frömmigkeit einfach u. anspruchslos erzogen und zu strengster Pflichterfüllung angehalten. Als er 18 Jahre alt war, erlebte er, wie schon berichtet, den Einzug des neuen Landesherrn mit. Die hierbei hervortretende Begeisterung der sonst so schwerfälligen u. Gemütsaffekten wenig zugänglichen, braven oldenburgischen Bevölkerung verfehlten nicht auf ihn nachhaltigen Eindruck zu machen, so dass er noch in seinen alten Jahren seinen Enkeln davon zu erzählen wusste.

Er hatte die Justizlaufbahn erwählt. 1784 trat er als Landgerichtsrat des Landgerichts zu Neuenburg in den Ehestand. Am 1. XII. 84 wurde er mit

Gesina Bruncken, geb. 8. IV 1765 zu Astede

des Erben "Rencke" Bruncken zu Astede u. dessen Gattin Helene Eilers von Hauswick ehelicher Tochter, im schwiegerelterlichen Hause durch den Pastor Bollenhagen aus Bockhorh kopuliert u. bezog am 2. XII. sein in diesem Jahr gebautes u. im August gerichtetes Haus in Neuenburg, wo das Ehepaar ein viertel Jahrhundert in ungetrübten Glück wohnte u. 6 Kinder fröhlich heranwachsen sah.

Der neue Landesherr erwies sich als ein Mann von aufrichtigem Charakter, der sich schwer u. selten erschloss, einfach anspruchslos u. rauschenden Festen abgeneigt. Er hatte das Unglück, noch im Jahre seines Regierungsantritts, am 24. XI. 85 seine Gemahlin Friederike von Württemberg zu verlieren. Seitdem zog er sich nochmehr zurück. Von einem Hofleben war keine Rede. Zur Förderung des kirchlichen Lebens berief der Herzog nach dem Tode des Generalsuperintendenten Janson 1788 den Esdras Heinrich Mutzenbecher, einen geborenen Hamburger, bislang Hauptpastor der lutherischen Gemeinde in Amsterdam auf diesen Posten. Mutzenbecher schrieb einen "Unterricht in der christlichen Lehre" u. bearbeitete mit Pastor Kuhlmann in Osternburg – dem Großvater meiner Mutter  – das neue Gesangbuch.

Der Herzog, welcher Freude an der Malerei u. Verständnis hatte, legte den Grund zu der wertvollen Gemäldesammlung, die unter der Aufsicht des Malers Strack, des Vetters Tischbeins stand.

Die Residenzstadt Oldenburg erhielt bald ein anderes Aussehen. Die hohen Wälle, die teilweise schon in Promenaden umgewandelt waren, wurden wie die übrigen Festungswerke von 1790 an niedergelegt u. mit Bäumen bepflanzt. Die Schlossbrücke wurde erbaut u. die Hunte mit festen Einfassungen versehen. 1803/4 wurde der "Pferdemarktplatz" angelegt, die "Gartenstrasse durchgeführt und viele gärtnerische Anlagen geschaffen. (Schlossgarten). Die öffentliche Bibliothek wurde errichtet.

Gern weilte der Herzog in Rastede, das er vom Grafen Lynar, dem vorletzten dänischen Statthalter, welchem es vom regierenden Hause geschenkt war, gekauft hatte. Er schuf daraus Garten und Park in englischem Stil und einen schönen, bequemen Landsitz. 1790 bis 1800 erfolgte der Umbau der Lambertikirche. Die alten Mauern der Hallenkirche wurden in einen kreisrunden Emporenbau mit einer Kuppel eingefügt. Das turmlose Gebäude, welches von aussen wie ein Theater aussah, dagegen ein schönes in strengem Stil nach italienischem Vorbilde erbautes Innere besass, ist bis in die neueste Zeit so geblieben. Erst in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Äußere durch 2 maligen Umbau in gothischem Stile umgewandelt, was zu dem unveränderten Inneren gar nicht passt.

Die französische Revolution schied auch in Oldenburg die Geister. Nicolaus Adolph blieb aber seiner durch und durch konservativen und streng monarchischen Auffassung treu. Er verabscheute die Revolution und erkannte die Gefahr, die der zivilisierten Welt aus ihrer Zügellosigkeit erwuchs.

In dem Unglücksjahre 1806 erfolgte im August die förmliche Auflösung des Deutschen Reiches. Tiefschmerzliche Zeiten waren hereingebrochen. Das preussische Heer bei Jena und Auerstädt zusammengebrochen, auf oldenburgischen Gebiet, in Ratekau bei Schwartau, ergab sich Blücher, nachdem er in der Schlacht bei Lübeck seine Waffenehre gerettet hatte. Obgleich im Frieden zu Tilsit dem Herzog der volle Besitz seiner Länder zugesichert war, riss Holland nicht nur die Herrschaften Varel u. Kniphausen an sich, sondern das ganze Herzogtum wurde vom 13. XI. an von holländischen Truppen überschwemmt. Nach diesen Vorgängen sah sich der Herzog genötigt, am 14. X dem Rheinbunde Napoleons beizutreten. Allein auch dieses schmerzliche Opfer war der französischen Eroberungspolitik gegenüber ein vergebliches gewesen. Im Herbst 1810 besetzten französische Truppen das Herzogtum und am 13. XII. wurden durch franz. Senatsbeschluss Holland, die Hansestädte u. ein Gebiet, in welches das Herzogtum eingeschlossen war, als Bestandteile des französischen Reiches erklärt. Am 22.I.1811 wurde die förmliche Besitzergreifung verfügt. Der Herzog musste sich fügen, entliess, um die Wohlfahrt des Landes nicht zu gefährden Beamte und Untertanen ihrer Dienst- u. Huldigungspflichten u. verließ mit dem Erbprinzen das Land. Am 28. II: hielten die französischen Behörden ihren Einzug in Oldenburg, am 20. VII. wurde die franz. Verfassung eingeführt. Damit begann eine lange Reihe unerhörter Bedrückungen, schmählicher Erpressungen, Vergewaltigungen und Rechtsbrüche.

Wie die meisten Beamten trat auch Nicolaus Adolph in französische Dienste über. Den Untertanen konnte ihre Gegenwart nur liebsein. Sie stiegen aber von ihren verhältnismässig hohen Gehältern zu den Hungerbesoldungen der französischen Beamten herab, von denen von vorneherein vorausgesetzt wurde, dass sie sich unrechtmäßige Nebeneinnahmen verschaffen würden. Nikolaus Adolph war 1809 an das Landgericht Delmenhorst versetzt worden, wo er sich ein an der Kirchstrasse belegenes Haus kaufte und am 24.X. bezog. Sein in Neuenburg belegenes Besitztum verkaufte er im folgenden Jahre an seinen langjährigen Freund, den herzgl. Kammerrat Hansen, der es seinem Bruder, Postmeister Hansen, abtrat.

Im Lande lagen die 85. Linien-, das 8. Husaren-Regiment, Artillerie u. Sappeure , ausserordentliche Steuern belasteten die Bevölkerung. Die öffentlichen Kassen, aus denen die Gehälter der Beamten, die Verwaltung pp bezahlt werden sollten, waren auf Befehl des Kaisers mit Beschlag belegt worden, auch das Privatvermögen des Herzogs wurde nicht geschont. Der freie Geistesverkehr war durch scharfe Zensur unterbunden, die Polizei drang mit ihren Spionen überall ein, das Briefgeheimnis wurde misachtet.

Zu dem Krieg gegen Österreich hatten alle Rheinbundfürsten Kontingente zu stellen. Von Herbst 1811 an erfolgte eine umfangreiche Aushebung der Mannschaft von 17-23 Jahren. Dadurch kamen viele junge Oldenburger in das 120. Regiment, welches zur 32. Division in Hamburg gehörte. Später wurden sie mehr verteilt, da sie dem misztrauischen Davout nicht zuverlässig erschienen u. kamen auch in die Regimenter 127 und 128. Diese Division war 1812 bei der Hauptarmee vor Moskau. Nur Wenige sahen die Heimat wieder. Als dann die Nachricht vom Rückzuge der zertrümmerten "grossen Armee" eintraf, wehte das Frühlingsbrausen der Volkserhebung von Preussen auch in unsere Heimat herüber. Mitte März 1813 brach ein Aufstand los, der sich über das ganze Land ausdehnte und den französischen Präfekten Arberg veranlasste, am 16. III. abends unter dem Schutze der franz. Gendarmerie-Brigade, nach Bremen abzuziehen. Der Souspräfekt, Baron Frochot, hatte mehr Courage, unter dem Schutz der Bürgerwehr harrte er in der Stadt solange aus, bis er seine Amtsgewalt in die Hände einer vorläufigen Kommission von 5 Mitgliedern gab, die zur Erhaltung von Ruhe und Ordnung eingesetzt wurde. Es waren das:

der frühere Landvogt v. Finckh, als Präsident
der Departmentsrat  v. Berger
u. 3 Bürger:  v. Negelein
 Klävemann
 Bulling.

Nach dem Abzuge der Franzosen legte sich die Unruhe rasch und die Kommission konnte ohne Schwierigkeiten die Ordnung wiederherstellen. Die französische Verwaltung aber sah in diesem Vorgang einen Verstosz gegen das Kaiserreich, der blutig geahndet werden sollte. Napoleon verfügte den Belagerungszustand über die beteiligten 3 Departements der Ems-, Weser- und Elbe-Mündungen. Marschall Davout, Fürst v. Eckmühl, sollte mit starken Truppenmassen auf Hamburg vorgehen, Vandamme von Wesel zu ihm stossen, in Bremen eintreffen u. die Weser decken. Eine Kolonne von 1500 Mann rückte über Huntebrück die Weser entlang bis Blexen, wo die Besatzung der dortigen Batterie, lauter Landeskinder, die französischen Vorgesetzten verjagt hatten. Am 25. III. nahmen die Franzosen die Batterie wieder, der Korporal Lubbe Eilers u. 10 Kanoniere wurden standrechtlich erschossen. Als diese Kolonne dann auf Oldenburg rückte, flüchteten die Kommissions-Mitglieder.

Bald zog das Unwetter herauf. Vandamme, der "Schlächter von Bremen", war von Napoleon zum Vollstrecker der Gewaltmassnahmen erkoren. Niemals hat ein römischer Proconsul, ein Alba oder ein Wallenstein eine so hochfahrende Sprache geführt, wie Vandamme. Ein Kind der Revolution, war er unter Robespierre als 22-jährig General der Republik geworden. Er hatte schon von Wesel aus angekündigt, dass jeder, der überführt würde, die öffentliche Sicherheit bedroht zu haben, kriegsgerichtlich erschossen würde. Diese Revolutionsgenerale verstanden sich aufs "pazifizieren". Man stellte angesehene Bürger, ob schuldig, oder nicht, an die Wand, u. liess sie von Pelotonsalven niederknallen. – Es ist aber nicht zu leugnen, dass in dieser Roheit Wille und Energie stecken, die bei uns vielfach fehlten u., Gott sei es geklagt, noch heute fehlen! (Siehe Zabern!!!).

Vandamme liess die wieder nach Oldenburg zurückgekehrten Kommissions-Mitglieder verhaften u. am 4. IV. nach Bremen transportieren. Dort empfing er sie mit den Worten: "Heute Abend noch werde ich Sie erschießen lassen". Herr v. Berger erwiderte fest: "Exzellenz, wir waren von dem Unterpräfekten in die Bresche gestellt. "Nun wohl", entgegnete kalt Vandamme, "so hätten Sie dort sterben müssen." Am 10. IV. morgens fielen die beiden hervorragendsten Mitglieder, die Herren v. Finckh u. v. Berger, auf dem Richtplatz vor dem Doventor, unter französischem Blei, weil sie "das Vertrauen des Unterpräfekten getäuscht, die Gesetzlosigkeit im Arrondissement geduldet u. sogar die treibende Kraft der Unruhen gewesen seien. "Mit ihnen mussten noch weitere 22 Verurteilte ihr Leben lassen und Viele wurden zu Gefängnis- u. Galeeren und hohen Geld-Strafen verurteilt.

Nikolaus Adolph' s tiefeingewurzelte altniedersächsische Vaterlandsliebe, die in seinem Hause eine wohlbehütete Stätte hatte, liesz ihn mit der Fremdherrschaft aufs Bitterste empfinden, aber auch die Hoffnung auf ein Morgenrot erwachen. So konnte er die am 15. IV. 1813 stattfindende Hochzeit seines ältesten Sohnes Johann Friedrich Christian mitfeiern u. die Rückkehr seines Landesherren am 27. XI. mit Freude begrüssen.

Die Neuordnung der Dinge, die auf allen Gebieten gewaltige Arbeitsleistung erforderte, nahm auch ihn stark in Anspruch. Sein vierter Sohn Friedr. Gerhard Christian  trat 1814 als freiwilliger Jäger in das oldenb. Infanterie-Regt., um am Befreiungskriege gegen Napoleon teilzunehmen. Am 8. V. 15 rückten die Truppen ins Feld. Am 8. XII. konnte er den Sohn heil und gesund wieder daheim begrüssen. Auf dem Wiener Congress war auf Veranlassung des Zaren Alexander dem regierenden Herzog von Oldenburg der Titel "Großherzog" zuerkannt worden. Herzog Peter machte indessen davon keinen Gebrauch und erst sein Sohn nahm den Titel bei seiner Thronbesteigung an. Das Fürstentum Birkenfeld sowie die Grafschaft Varel und die Herrschaft Kniphausen waren hinzugekommen. Hierdurch und durch den Vergleich mit Hannover am 4. II. 17 erhielt das Großherzogtum seine heutigen Grenzen.

Am 8. IV. 18 traf Nikolaus Adolph der harte Schlag, seine getreue Lebensgefährtin in guten u. bösen Tagen, die ihm ein trautes u. schönes Heim geschaffen, seine Gattin Gesina, erst 54 Jahre alt, zu verlieren. Sie war eine stille, freundliche, liebenswürdige Frau, die wenig hervortrat, mit goldenem Herzen, eine vortreffliche Gattin u. treusorgende Mutter. Dieser Tod veranlasste ihn, seinen Abschied aus den Staatsdiensten zu nehmen. Er lebte nun bald in Delmenhorst, bald bei seinen Kindern, bis ihn auf einer Reise, die er zu seiner Tochter Margarethe Helene unternommen hatte in Loxstedt, am 31. Oktober 1833 der Tod ereilte. Er starb am Schlagfluss, alt 77 Jahre, 10 Monate, 26 Tage und wurde in Loxstedt begraben.

Er war ein Mann von warmen Herzen u. klarem Verstande, der eine nüchterne und praktische Lebensauffassung mit einem festen Vorsehungsglauben verband. Durch spartanische Einfachheit in der Lebensführung hatte er es ermöglicht, seinen Kindern eine vortreffliche Erziehung angedeihen zu lassen und in der Zeit der Befreiungskriege für das Vaterland Opfer zu bringen, wie sie unsere reichbegüterte, aber materialistische Zeit kaum dem Namen nach kennt.

Seine Kinder, sämtlich in Neuenburg geboren, waren:

1.Johann Friedrich Christian, geb. 1786, 18. Okt., getauft 22. Okt. s. später [19].

2.Reinhard Christian Heinrich [21], geb. 26.9.89. Er ging früh nach Amerika. Er soll 2 Kinder hinterlassen haben: Heinrich u. Mathilde, die einen gewissen Peter Ricks geheiratet. Weiteres nicht bekannt.

3.Adolph Hermann Gerhard , geb. 17. IX. 92. Er war grossherzgl. Amtseinnehmer in Elsfleth, dann in Brake, weshalb er von uns Kindern der "Onkel Braker" genannt wurde. Verheiratet mit Anna Meiners aus Elsfleth, lebte er nach seiner Pensionierung in Oldenburg, wo er in der Peterstraße ein sehr großes Haus mit Garten besass. Er war ein eigentümlicher alter Herr, groß, schlank, würdevoll u. gemessen, von altfränkischem Wesen. Er teilte in wunderbarer, grillenhafter Weise die merkwürdige Schwärmerei für die Polen u. trug mit Vorliebe einen polnischen schwarzen Schnürrock. Nach dem Tode seiner Frau kaufte er sich in der Lindenstraße ein kleineres Haus, wo ere 1866 als kinderloser Witwer starb. Beigesetzt im Erbbegräbnis auf dem Gertrudenfriedhof.

4.Friedrich Gerhard Christian [24], geb. 5. III. 1795, getauft 8. III. Weiteres später

5.Margaretha Helene [26], geb. 10. II. 1798. Sie heiratete den Edelhofbesitzer Jacobs zu Loxstedt und hatte 5 Kinder und zwar nur Töchter.

6.Friedrich Wilhelm Hermann , geb. 31.I.1801. Gevatter waren: 1. Assessor delius.
später Minister; 2. Madame Ahlhorn, die Großmutter des späteren Regierungspräsidenten im Birkenfeld, des Gatten von Louise v.d.L.

Er erwarb ein Gut bei Wardenburg u. heiratete Elisabeth  Wellmann. Der einzige Sohn Heinrich  starb jung. Eine Tochter Helene heiratete den Gutsbesitzer Gloystein auf Kremmen. Die zweite  Johanna war 2 mal vermählt: 1. mit dem Gutsbesitzer Umbsen zu Wardenburg und nach dessen Tode mit dem grossherz. oldenb. Hauptmann Eilers, geb. 1824. Deren Tochter Elly lebt als Frau des Professor Neumüller  in der Teichstraße in Oldenburg.

Johann Friedrich Christian [19]

geb. 18. Okt. 1786 zu Neuenburg, 22. Okt. getauft. In seinen Jugendjahren erlebte er die traurige Erniedrigung des Vaterlandes, dann aber dessen begeisterte Erhebung. Nach Beendigung seiner Schul- u. Studienjahre war er, in Vorbereitung auf die Laufbahn der oldenb. Verwaltungsbeamten, beim Landgericht in Oldenburg beschäftigt, als mit dem Einzuge der französischen Behörde am 18. Febr. 1811 die "französische Zeit" anbrach. Als ich bald darauf die Stellung als "maire" der "commune" Oldenbrok-Grossenmeer angetragen wurde, übernahm er dieselbe, obwohl er dem "System Napoleons" durchaus abhold war. Er hatte den festen Vorsatz, die sich ihm bietende Möglichkeiten, Bedrückungen seiner Landsleute abzuwehren oder zu mildern nach allen Kräften zu benutzen.

Hier in Grossenmeer lernte er seine spätere Gattin

Edel Elisabeth Bunnemann

Tochter des Johann Gerhard Bunnemann, Fideikommisbesitzer zu Meerkirchen kennen u. verlobte sich im März 1812 mit ihr. Sie war die 2. Tochter aus 2. Ehe ihres Vaters mit weiland Tidea Maria Kimme aus Colmar, geb. 16. Nov. 1788 zu Meerkirchen.

Der Brautstand fiel gerade in die schlimmste Zeit u. wurde stark beeinträchtigt durch Verfolgungen, die sich gegen den Vater und den Onkel der Braut richteten, und denen auch "Fritz", wie ihn seine Braut nannte, nicht abhelfen konnte. Um nicht als Geiseln fortgeführt zu werden, mussten die beiden Verfolgten schließlich flüchten. Ihre Stiefmutter, die 3. Frau ihres Vaters, befand sich zur Zeit als geisteskrank in einer Heilanstalt, und so war Elisabeth mit ihrer älteren Schwester Minchen, den kleineren Geschwistern, der Mamsell und dem Dienstpersonal allein auf dem großen Gut. Die beiden jungen Mädchen wagten nicht, sich nachts zu entkleiden, und als nun Minchen vor Angst und Aufregung erkrankte, lag die Last der ganzen Verantwortung alleine auf der jungen Braut, deren Mut und Tatkraft sich bei dieser Probe glänzend bewährte.

Nachdem noch wenige Tage zuvor 500 französische Soldaten in der Gemeinde, davon 60 auf dem Bunnemannschen Gutshofe, einquartiert waren, "denen man Alles geben musste, um bösen Auftritten u. scharfen Repressalien zu entgehen", so schreibt Elisabeth, konnte endlich am 15. April 13 die Hochzeit stattfinden, zu der sich auch der Vater u. der Onkel aus ihren Zufluchtsorte einzustellen wagten. Die Trauung erfolgte im Elternhause der Braut durch Pastor Rüther aus Grossenmeer, in Gegenwart der beiderseitigen Eltern u. Geschwister, nachdem die Proklamation sowohl in Elsfleth, wie in Oldenbrok geschehen u. von dem maire in letzterem Ort der Heiratsakt nach den Vorschriften des Code Napoleon aufgenommen worden u. nachdem die Ankündigung dieser Verbindung u. die gewünschte Fürbitte durch Pastor Rüther nach gutem alten Brauch von der Kanzel erfolgt war.

Der junge Gatte "Fritz" genannt, war ein großer, auch in seinen späteren Jahren noch, schlanker Mann, mit offenen, freundlichen Gesichtszügen. Tadellos gekleidet, ohne Modetorheiten mitzumachen, eine stattliche Erscheinung von ernstem, ruhigen, stets gleichmäßig liebenswürdigen, beherrschten u. gewinnenden Wesen. Ein überzeugter Christ, gewissenhaft, pflichttreu, von großer Herzensgüte, war er Äußerlichkeiten abhold, suchte und fand als solcher Gatte u. Vater den Schwerpunkt seines Daseins im Familienleben. Gegen seine Kinder, denen er eine vortreffliche Erziehung angedeihen liess, konnte er gelegentlich zu schwach sein u. es an der erforderlichen Strenge lassen. --- Ein Grundzug seines Karakters war die Pietät gegen die Autoritäten seiner Jugendzeit u. eine tiefeingewurzelte Ergebenheit gegen sein angestammtes Fürstenhaus. – Seine Gattin ergänzte ihn in der glücklichsten und wünschenswertesten Weise. Gutherzig, heiter, dem Frohsinn zuneigend, von gesunden, natürlichen Empfinden, war sie durch die z.T. harten Erfahrungen ihrer Jugend frühzeitig im Karakter gefestigt worden. Schon ein Jahr nach ihrer Geburt, am 09. Nov. 1789, verlor sie ihre Mutter durch den Tod. Nachdem ihr Vater sich 1793 zum 3. mal, mit Anna Hullmann aus Grossenmeer, verheiratete, kam sie im 6. Lebensjahr zu einem Onkel mütterlicherseits, welcher in Burhave in kinderloser Ehe lebte, u. deshalb Elisabeth zur Erbin seines bedeutenden Vermögens bestimmt hatte. Nachdem jedoch wider Erwarten, dem Ehepaar doch noch ein Erbe geboren wurde, kam sie 1800 in das Elternhaus zurück. Doch war dort die Stiefmutter inzwischen gesteskrank geworden und der Vater schickte Elisabeth mit 14 Jahren in eine Pension nach Bassum, wo sie sowohl wissenschaftlich wie im Haushalt vortrefflich ausgebildet wurde. Nach 4 glücklichen Jahren wurde sie ins Vaterhaus zurückgerufen um dem großen Landhaushalte selbstständig vorzustehen, da der Zustand der Stiefmutter ihre Anstaltsaufnahme notwendig machte. 18-jährig war Elisabeth gross, schlank, kräftig, ein Bild blühender Gesundheit. Die schweren, durch die Geisteskrankheit der Stiefmutter herbeigeführten Tage hatten nicht vermocht, sie niederzudrücken, sondern vielmehr ihre Spannkraft gestählt. Geistig rege, von gewinnender Anmut, ohne gerade besonders schön zu sein, liebenswürdig und heiter, gewann sie durch echt weibliche Freundlichkeit alle Herzen. So kann es nicht wundernehmen, dass sie stark umworben wurde und schon manche Körbe – den 1. mit 16 Jahren an einen Hauptmann v. Kötteritz – ausgeteilt hatte, als sie ihren späteren Gatten kennen lernte.

Die junge Ehezeit wurde durch die Drangsale der Franzosenzeit arg getrübt. Fritz ersehnte den Augenblick herbei, wo er mit seinen Ansichten offen hervortreten konnte u. wirkte inzwischen auf seinem mühevollen Posten zur Erleichterung der heimischen Bevölkerung. Unverdrossen, bei immerwährender Arbeit, hörte er geduldig die zahlreichen Klagen an und half, wo er konnte. Den Franzosen war er infolge ihres ausgedehnten Spionagesystems längst verdächtig. Weil er es nun wiederholt gewagt hatte, seine Mitbürger gegen Übergriffe der Machthaber in Schutz zu nehmen, war der junge Gatte noch kurz vor dem Zusammenbruch der Herrschaft gezwungen bei Nacht und Nebel zu flüchten um nicht das Los der Herren v. Finckh. und v. Berger zu teilen. Durch einen Getreuen wurde der rechtzeitig gewarnt und solange im Moor verborgen, bis er aus dem Bereich der Franzosen entkam. Erst nach der Schlacht von Leipzig schlug für ihn die Befreiung.

Nachdem im Herbst 1813 der Umzug des jungen Paares vorläufig in das benachbarte Elsfleth bewirkt war, wo es solange zu wohnen gedachte, bis Friedrich, dessen Stellung mit der Vertreibung der Franzosen eingegangen war, eine neue Anstellung erhalten würde. Herzog Peter war am 27. Nov. 13 wieder nach Oldenburg zurückgekehrt, von seinem Volke jubelnd begrüsst. Friedrich wurde von seinem Landesherrn, der sich seines mannhaften und vaterländischen Verhaltens gar wohl erinnerte, alsbald in gnädigsterweise zum Amtseinnehmer in Oldenburg gemacht. So bekam er in jungen Jahren schon eine Anstellung, die sonst nur wesentlich älteren wohlverdienten Beamten oder Offizieren verliehen wurde.

Oldenburg hatte damals 5.324, Jever 1.194 das Herzogtum 170.000 Einwohner u. war in 7 Kreise und 28 Ämter eingeteilt. Zur Handhabung der Landespolizei wurde am 16. November 16 das "Dragoner-Korps" (Gendarmerie) eingesetzt.

Am 15. April 1815 wurden dem jungen Paare Zwillinge beschert, am 30. April getauft und genannt:

1.Gerhard Friedrich Wilhelm Adolph [30] s. später

2.Gesina Maria Gerhardine Helene [32], welche nach längerer Krankheit am 26. März 23 starb und im Familiengrab beigesetzt wurde.

Am 16. November 1817 wurde wieder ein Sohn geboren, am Tage nach dem Auszuge des erbgrossherzoglichen Paares. Der Vater hatte Sr. Kgl. Hoheit dem Erbgrossherzog Paul Friedrich August in einer ihm gnädigst bewilligten Privataudienz die Bitte vorgetragen, die Patenschaft übernehmen zu wollen. Das Kind wurde am 7. Dezember durch Pastor Roth getauft:

3.Paul Friedrich August [33] .

Der Vater hielt in Vertretung des hohen Pathen das Kind selbst über die Taufe. Ausser Eltern und Geschwister waren zugegen die Brüder des Vaters Heinrich  und Christian und deren Schwester Margarethe Helene, der jüngste Bruder der Mutter Albert Christian, später Landgerichtsassessor in Ovelgönne und die beiden Freundinnen des Hauses Frau v. Römer und Frl. Antoinette v. Lindinger. Weiteres später.

Am 03. März 1821 wurde ein Mädchen geboren und am 15. April, dem Geburtstage der beiden Ältesten und dem Hochzeitstage der Eltern, von Pastor Roth getauft:

4.Anna Helene Albertine Hermine [35].

Sie erhielt ihre erste Schulbildung, wie die Geschwister, durch die Erzieherin demoiselle Charlotte Starke im elterlichen Hause, demnächst wurde sie der höheren Töchterschule des Herrn Eckardt anvertraut und Ostern 36 konfirmiert. Ostern 38 bis 39 wurde sie nach damaliger Sitte in Pension gegeben, auf das Gut des "Drosten" Müller in Aerzen bei Bad Pyrmont; dort machte sie im September den ersten Ball mit bei Herrn und Frau v. Münchhausen in Schwöbber, wo sie ihre in der Tanzstunde bei Casarti erlernte Fertigkeit beweisen konnte. Ein Brief ihres Bruders August, dem sie besonders nahe stand, vom 22. Sept. 38 spricht die Befürchtung aus, dass ihr der kommende Winter im stillen Oldenburg nicht gefallen werde, "wo die kleine wilde Reiterin, Fischerin und Jägerin still in der Stube bleiben musz." Danach blieb sie mehrere Jahre im Elternhaus. Hochbegabt, lebhaften Geistes, strebsam und tatkräftig fand sie indessen an der ziemlich bedeutungslosen Stellung als Tochter des Hauses kein Genügen. Nach fleißigen wissenschaftlichen Studien, besonders zur Erlernung der neueren Sprachen, für die sie ein ausgesprochenes Talent hatte, widmete sie sich von 1850 an der praktischen Vorbereitung für den Lehrberuf auf dem Hebestreitschen Institut zu Dresden. Im November 53 machte sie in Berlin das Oberlehrerin-Examen und erhielt das Zeugnis zur Leitung einer höheren Töchterschule. Anfangs 56 übernahm sie ein großes Erziehungs-Institut in Posen, Berlinerstraße 11. Sie wurde vom Oberpräsidenten v. Puttkamer, an den sie empfohlen war, sehr liebenswürdig aufgenommen und von ihm, wie von dem Direktor des deutschen Gymnasiums, tatkräftig unterstützt. Letztere übernahm den Geschichtsunterricht in der ersten Klasse, noch weitere Gymnasiallehrer unterrichteten an ihrer Anstalt. So erreichte sie bald, dass ihr Institut zur Blüte gelangte und namentlich von den Töchtern der Aristokratie der Provinz besucht wurde. Danach gestalteten sich auch die materiellen Ergebnisse ihrer Tätigkeit günstig.

In der posener Gesellschaft wegen ihrer Liebenswürdigkeit, Klugheit u. Gewandtheit rasch beliebt geworden, fand sie anregenden Verkehr in den Familien des Regierungspräsidenten v. Mirbach, der Oberregierungsräte v. Münchhausen und v. Bünting, des Oberstltn. v. Pannwitz, des Landrats v. Beckendorf und Hindenburg, Professor Schönborn und Consistorialrat Niese. Besonders nahe trat sie der Familie des Regierungsrat v. Bernuth, ihrer Nachbaren. Sie verkehrte, wie sie schreibt, zu jeder Stunde in der gemütlichsten Weise mit diesen trefflichen, schon älteren, Menschen, die sie wie eine Tochter aufgenommen hatten.  – Auch auf dem Lande hatte sie Verkehr mit den Rittergutsbesitzern Berger und v. Treskow auf Wierszonka (2 Std. von Posen), deren 13-jähriges Töchterchen Hedwig eine zeitlang Herminens Pflegebefohlene und liebe Hausgenossin war. Aus ihren Briefen erfahren wir die damaligen Preise für Lebensmittel, die in Posen sehr hoch waren.

 
Es kostete z.B.
das Quart Milch5Grote Oldenbg.=20Pfg.
ein Pfd. Leberwurst24Grote Oldenbg.=100Pfg.
ein Pfd. Kaffee24Grote Oldenbg.=100Pfg.
ein Pfd. Butter30Grote Oldenbg.=125Pfg.

Ein Hausmädchen bekam Lohn 28 Taler = 84 M.

Das viele Gesindel gab ihr Anlass zu klagen. Diebstähle und Spitzbübereien sind an der Tagesordnung. Dabei belagert das Bettelvolk die Türen. Durchweg ist das Volk arbeitsscheu, man sieht besonders an den Nachmittagen Betrunkene in grosser Zahl. Ihre Wohnung war nahe dem Bahnhof.

Von jeher erwachte in den Sommertagen in ihr die Reiselust. Schon von Oldenburg aus hatte sie, meist in Begleitung ihrer Mutter, die schönsten Gegenden Deutschlands und Österreichs kennen gelernt. War 52 in Ostende, 54 in Paris. Diese Erholungsreisen wurden ihr zum Bedürfnis und sie verwandte ihre Ferien regelmäßig zu dem Zwecke. Ihren hochstrebenden Hoffnungen war leider ein nahes Ziel gesetzt. Sie hatte sich des Blühens ihrer Schöpfung erst wenige Jahre erfreut, als sie plötzlich an Unterleibstyphus erkrankte. Sie starb am 22. September 1859. Ihr Bruder Georg übernahm die Sorge für die Auflösung des Haushalts. 

Joh. Friedrich Christ. u. Edel Elisabeth wurden am 14. Sept. 1826, mittags 1 Uhr wieder durch die Geburt eines Sohnes erfreut, der am 29. Oktober von Pastor Ibbeken getauft wurde:

5.Bernhard Elimar August Georg Friedrich Wilhelm [36]

Gevatter waren: Frau Amtmann Bothe, Premierleutenant Burmester u. Amtsauditor Flohr (Vater des 1900 abgegangenen Ministers). Weiteres später.

Der am 21. Mai 29 erfolgte Tod des Herzogs Peter Friedrich Ludwig erfüllte die Familie Friedrichs mit aufrichtiger Trauer. In der Regierung folgte unter gleichzeitiger Annahme des Großherzogstitels sein Sohn Paul Friedrich August. Seine erste Gemahlin Adelheid, geb. Prinzessin von Anhalt-Bernburg, war nach nur 3-jähriger glücklicher Ehe am 13. Sep. 20 gestorben und hatte zwei Töchterchen hinterlassen: 1. Amalie, geb. 31. Dez. 18, später vermählt mit König Otto von Griechenland. (Otto, der Bayernprinz, scheiterte an der Aufgabe, Ordnung in das griechische Chaos zu bringen. Er verlies 62 das Land und Prinz Wilhelm von Dänemark wurde sein Nachfolger, der als König Georgios die Regierung übernahm). 2. Friederike, geb. 8. Juni 20, spätere Baronin Washington. 1825 heiratete der Großherzog zum 2. Male, die jüngere Schwester seiner ersten Gemahlin, Prinzessin Ida. Diese schenkte dem Lande am 8. Juli 1827 den Erben, siechte aber dann dahin und starb am 31. März 28.--- Der Großherzog, welcher das Familienleben nicht entbehren wollte, auch seinen Kindern eine Mutter zu geben wünschte, heiratete zum 3. mal am 5. Mai 31, die Prinzessin Cäcilie von Schweden, geb. 22. Juni 07, verstorben 44, nachdem sie dem Herzog Anton Günther Elimar das Leben gegeben hatte.

Im Sommer 29 machte Friedrich mit seiner Frau und den beiden älteren Söhnen Adolph  und August  eine Reise, welche im eigenen Fuhrwerk am 15. August begann und über Eilsen, Pyrmont, Paderborn nach Kassel und zurück über Göttingen, Nenndorf führte. An diesem Badeorte blieb der Vater zu einer 4wöchigen Kur zurück, während die Mutter mit den beiden Knaben in der vom langjährigen treuen Kutscher und Hausfaktotum Hermann Wellmann gelenkten Reisekalesche heimwärts reiste und am 27. August in Oldenburg wieder eintraf. Das Reisen war damals, als Eisenbahnen noch unbekannt und das Chausseenetz wenig ausgebaut war, keine so leichte Sache wie heute. Erst 1824 hatte man sich im Herzogtum zur Anlegung von Chausseen entschlossen. Die erste Strecke wurde von Oldenburg nach Kreyenbrück gebaut. Zugleich wurde das Stück Delmenhorst-Wahrturm bei Bremen in Angriff genommen, während die Chaussee Oldenburg-Delmenhorst erst 1830 fertig wurde. Die übrigen Posten wurden anderweitig verbessert, waren aber bei schlechtem Wetter und namentlich im Winter oft nur schwer passierbar.

Am 24. 12. 31 wurde wieder ein Sohn geboren, am 12. Jan. von Pastor Ibbeken getauft:

6. Bernhard Sophus Karl Friedrich [38] ,

der aber schon 7-jährig starb. Die Kinder wuchsen im elterlichen Hause an der Achternstraße, mit großem Garten bis an die Staulinie, fröhlich heran. Die Söhne besuchten das Gymnasium, welches unter den Rektoren Ricklefs und Greverus eine Lehranstalt war, die sich eines Rufes weit über die Grenzen des Landes hinaus freute. Einen regen Anteil nahm das Ehepaar am Theater. 1830 war in Oldenburg die erste stehende Bühne eröffnet worden. Die ersten Vorstellungen fanden in einem Klubhause statt, bis ein provisorisches Theater im Schloss hergerichtet war.

Friedrich hatte es in seinem stark entwickelten Familiensinn von jeher lebhaft bedauert, und als einen Mangel für den Zusammenhang der Familie empfunden, dass dieselbe nicht mehr durch Grundbesitz ansässig war.

Als sich ihm nun im Frühjahr 1838 Gelegenheit bot, das Gut Gauwe bei Stollhamm zu annehmbarem Preise zu erwerben, nahm er diese wahr u. kaufte diesen schönen Besitz. Die Hoffnungen für die Familie, die er an diese Erwerbung knüpfte, sollten sich leider nicht erfüllen. Am 1. Mai 42 übergab er Gauwe an seinen ältesten Sohn Adolph [30], der Landwirt geworden war.

Seine Absicht, aus Gauwe ein Fideikommis (Erbhof) zu machen, um es dauernd der Familie zu erhalten, hat er bedauerlicherweise nicht rechtzeitig verwirklicht u. der Tod sollte ihn ereilen, bevor die erforderlichen Schritte geschehen waren.

In der Nacht zum 2. Juni 39 starb Sophus am Nervenfieber, 7 Jahre alt. Im Jahre 43 erfolgte die Heirat Gerhards [24] , damals Hauptmann im großherzogl. Artilleriecorps., mit Anna Catharina Antoinette Plagge [25]. Sie war dem Kreise der Familie ein angenehmer Zuwachs und fand bald innigen Anschluss.

Mit freudiger Teilnahme wurde die am 23. Jan. 44 erfolgte Geburt des Prinzen Elimar begrüßt. Es folgte aber tiefe Trauer durch den 4 Tage danach erfolgten Tod der allgemein beliebten Großherzogin Cäcilie.

Am 1. Juli 45 erbat Joh. Friedrich Christ. seinen Abschied aus dem Staatsdienste, der ihm "in huldvollster Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste gnädigst bewilligt" wurde. Er sollte sich nicht lange der wohlverdienten Ruhe erfreuen. Ein "Nervenfieber" machte seinem Leben am 4. Okt. 45, noch nicht 59 Jahre als, ein Ende. Er wurde im Erbbegräbnis beigesetzt. In ihm ist ein tapferer, aufrichtiger Mann von echtem Schrot und Korn, klugem, klaren Sinn und fester Überzeugungstreue dahingegangen.

Die bedauerlichen Ereignisse von 1848, die ihre demagogischen Wellen auch bis nach Oldenburg warfen, wo das ruhige im Wesen und Empfinden durchaus konservative und monarchische Volk aufgestachelt und verhetzt durch gewissenlose und eitle Volkstribunen und aufgeblasene demokratische Schreier, die ihr Schäfchen zu scheeren hofften, sich schließlich auch zu allerlei revolutionären Torheiten u. Exzessen hinreissen liess, hat er nicht erlebt und so ist ihm ein bitterer Schmerz erspart geblieben. Die Wogen der Revolution sind in unserer Heimat nicht hoch gegangen, Barrikaden wurden nicht gebaut. Viel geredet, getrunken, schwarz-rot-goldene Fahnen schwenkte man u. alles "verbrüderte sich". Leider standen dem Großherzog keine festen Männer von konservativer Überzeugungstreue zur Seite, die in zielbewusster Abwehr die Umsturzbestrebungen im Keime erstickten. So war das Ergebnis schwächlicher Nachgiebigkeit schließlich die oldenburgische Verfassung mit ihrem Landtage. Dieses "Bauernparlament" hat leider bewiesen, dass das politische Verständnis unserer braven Landsleute auch heutigen Tages noch unreif ist. Die fast ausschließlich agrarische Bevölkerung folgt in ihrer großen Masse der rosaroten Fahne der fortschrittlichen Volkspartei!!!

Friedrich's Witwe trug schwer an ihrem Verluste. Ihre aufrichtige Frömmigkeit half ihr überwinden und einige in dieser Zeit unternommenen Reisen gaben ihr die geistige Elastizität wieder. Sie besuchte mit ihrer Tochter Hermine im Juli und August 47 Sachsen und Böhmen, namentlich die Städte Dresden, Teplitz und Karlsbad. Edel Elisabeth behielt ihren Wohnsitz in Oldenburg, wo sie das Gaststraße 1 belegene neue Haus des Kaufmann Troebner bezog. Im ersten Stock lagen die Wohn- und Gesellschaftsräume, im 2. die Schlaf- u. Kinderzimmer, im Parterre, das durch eine breite Durchfahrt nach dem Hofe verkleinert war, nur die Küche, Wirtschaftsräume u. Leutezimmer. Die in je 2 Absätzen die Stockwerke miteinander verbindende Treppe besass ein schönes, glattes Mahagonigeländer, welches dem Schreiber dieser Zeilen Knabe von 4-5 Jahren, wenn ich bei der Großmutter zum Besuch weilen durfte, die entzückendste Rutschbahn gewährte, auf der ich, glühend vor Lust und Eifer, in sausender Fahrt abwärts zu rutschen beliebte, bis dies Vergnügen eines Tages von der alten treuen "Mete", Großmutters Köchin, bemerkt, und zu meinem tiefsten Schmerze künftig energisch verhindert wurde. Als im Frühjahr 56 Elisabeth's ältester Sohn Adolph, nach dem Brande seines Hauses in Gauwe nach Oldenburg zog, übernahm er zunächst diese Wohnung seiner Mutter u. später dein Bruder Georg. Sie nahm dann eine Etage im Haus des Schlossermeister Bohlen, am äußeren Damm 6, schräg gegenüber der Wohnung ihres Schwager's, des Oberstleutnant Christian  (Onkel Oberst) der wie er immer ein treuer Bruder und Schwager gewesen war, ihr auch nach dem Tode ihres Gatten mit Rat und Tat zur Seite stand.

Bei ihrer angestammten Liebe zum Herrscherhause nahm sie lebhaften Anteil an allen dasselbe betreffenden Ereignissen. Im Winter 52/53 brachte ein asthmatisches Leiden, das den Großherzog schon länger gequält hatte, mit erneuter Stärke hervor und raffte am 27. Febr. 52 vermählt mit Prinzessin Elisabeth Pauline Alexandrine von Sachsen Altenburg. Sie schenkte ihm am 16. Nov. 52 den künftigen Thronfolger Friedrich August.

Der neue Großherzog Nikolaus Friedrich Peter begann seine Regierung mit einer patriotischen Tat: er trat am 20. Juli 53 an Preussen ein am Jadebusen gelegenes Gebiet ab, das heutige Wilhelmshaven.

Solange Elisabeth lebte, bildete sie den Mittelpunkt der Familie und die Verwandten, namentlich natürlich ihre Kinder, fanden sich oft und gerne in ihrem Hause ein. Zu den regelmäßigsten Besuchern gehörte ihre Schwiegertochter Elise , die sich oft noch in den Abendstunden bei ihr einstellte und ihr jüngster Sohn Georg [36], dessen Gattin Emilie [37], ihn manchmal begleitete. Nachdem sie noch an ihrem Lebensabend den großen Schmerz empfand zwei geliebte Kinder zu verlieren: ihr Sohn August, am 19. Sept. 57 und ihre Tochter Hermine am 22. Sept. 59, starb sie selbst am 26. Febr. 1860, tief betrauert von allen Verwandten und Freunden. Sie ruht im Erbbegräbnis.

Gerhard Friedrich Wilhelm Adolph [30]

geb. am 15. April 15 wurde, nachdem er in Oldenburg auf dem Gymnasium bis Seda vorgerückt war, infolge eines Streites mit einem Lehrer, von seinem Vater Ostern 31 auf das Gymnasium nach Eutin geschickt. Nach einem Jahre Prima ging Adolph von der Schule ab, um Landwirt zu werden. Drei Jahre war er Eleve bei dem Administrator Stuckenberg, der die großherzoglichen Güter Nienrade, Lensahn und Manhagen bewirtschaftete. Dann ging er noch ein Jahr zu dem Pächter Bohnsack auf Benz. Ostern 38 übernahm er als Pächter das Foltesche Gut Barghorn. Am 1. III. 39 verheiratete er sich mit Tidea Katharina Louise Martens aus Ritzebüttel (Tante Lo), geb. 10.I.13. Am 1.5.42 übernahm er das väterliche Gut Gauwe, welches mitten in dem fast unabsehbaren Weide- und Wiesengelände der ausserordentlich fruchtbaren Marschlandschaft Butjadingen gelegen, dem grossen Weidebesitz entsprechend, auf Vieh- u. Pferdezucht eingerichtet war. Das ziemlich nüchtern aussehende, aber geräumige Wohnhaus war von 3 Seiten von einem grossen Garten umgeben, die Rückseite grenzte an den Hof mit seinen mächtigen Stallungen u. Wirtschaftsgebäuden. An der Seite des Hauses, wo die Küche lag, befand sich im Gemüse- und Obstgarten der so genannte "Berg", ein in einen künstlich angeschütteten Hügel hingebauter oberirdischer Keller. Des hohen Grundwassers wegen war in den Marschen die Anlage eines Kellers nur derart möglich. Das Ganze, ein längliches Viereck, war von einem breiten Wassergraben, der "Grafft", offenbar letztes Überbleibsel ehemaliger Befestigung, umzogen.

Der liebste Spielgefährte meines, mit mir ungefähr gleichaltrigen Vetters Willy  war damals ein kleines Ziegenböcklein. Als wir nun eines Tages pädagogische Entdeckung gemacht hatten, dass das Böcklein dringend eine gründliche Reinigung bedürfte, beschlossen wir ihm in der Grafft eine entsprechende Wäsche angedeihen zu lassen und zogen mit dem Tierchen auf schmalen Steg, der gegenüber der Küche über die Grafft führte und vermutlich den Haus- und Küchenmädchen zum Waschen von Geschirr und Geräten diente. Als wir nun an's Werk gehen wollten, leistete das Böcklein, welches offenbar die manchem Menschen angeborene Wasserscheu teilte, kräftigen Widerstand. Ich weiß nicht mehr wie weit unser erzieherisches Vorhaben gediehen war, als dieses plötzlich dadurch ein Ende fand, dass ich kopfüber ins Wasser stürzte, während das Böcklein mit Triumpfgemecker entwischte. --- Glücklicherweise hatte die brave "Mamsell", die in der Küche ihres Amtes waltete, den Vorgang bemerkt, kam herbeigerannt und zog mich noch gerade rechtzeitig an einem Bein aus dem feuchten Element, da ich sonst ohne ihre Hilfe schwerlich lebend entkommen wäre.

Ein großer Übelstand war der Mangel eines guten, trinkbaren Brunnenwassers, der in der Marsch leider allgemein herrschte, durch große Filtrierfässer nur unvollkommen ersetzt wurde und der den Gesundheitszustand nachteilig beeinflusste. Im Dezember 55 wurde das Herrenhaus und ein Teil der Gutsgebäude von Gauwe durch Feuer zerstört. Der Verlust war beträchtlich, doch pries Adolph Gott, dass er nur irdische Güter zu beklagen hatte. Er verlegte seinen Wohnsitz nach Oldenburg, wozu ihn Rücksichten auf die Erziehung der Kinder, vornehmlich aber auf ihre Gesundheit veranlassten, die in Gauwe stark am "Kalten Fieber" (Malaria) litten. Auch nach dem Wiederaufbau von Gauwe blieb er in der Stadt wohnen. Im Frühjahr 57 kaufte er ein vor den Toren der Stadt gelegenes Gut zu Osternburg mit sehr geräumigen, herrschaftlichem Wohnhause und sehr großen, schönen Garten.

Adolph war, wie sein Vater und seine Brüder, ein großer schlanker Mann, mit vollem, erst spät ergrauten Kopf- und Barthaar. Rüstig, fleißig, ein guter Landwirt und Pferdekenner, vermehrte er von Jahr zu Jahr sein ererbtes Vermögen. Nach dem Tode meines Vaters  wurde er unser Vormund, ebenso wie später der Kinder seines Bruders Georg.  In seinen persönlichen Bedürfnissen sehr mäßig und anspruchslos pflegte er in seinem Hause eine angenehme, prunklose Geselligkeit und sah es besonders gerne, wenn die zahlreichen Familienmitglieder sich bei ihm auf der Osternburg versammelten. Es lebte in der kleinen Residenz an der Hunte damals noch Bruder Georg [36] (als Hauptmann im oldenb. Infanterie-Regt.), seine Schwägerin Elise  und die Brüder seines Vaters, Hermann [22] und Christian , der "Onkel Oberst".

Ein damals noch stark entwickelter und gepflegter Familiensinn und ein ausgeprägtes Gefühl der Zusammengehörigkeit bewirkte, dass die Familienmitglieder den Schwerpunkt ihres Verkehrs untereinander suchten. Auch ohne vorhergegangene Einladung erfolgten häufige gegenseitige Besuche, wobei eine einfache aber freundlich gebotene Bewirtung eine angenehme und liebenswürdige Gastlichkeit geboten wurde. Die behaglichen großen Räume der Osternburg mit dem wohlgepflegten Garten waren hierzu besonders geeignet und übten ihre Anziehungskraft aus. Wenn wir Kinder bei solchen Gelegenheiten nicht im Hause oder Garten durch unsere Spiele gefesselt waren u. es uns vergönnt wurde, den Unterhaltungen der Erwachsenen zu lauschen so fesselten die Erzählungen und Bilder aus der Vergangenheit unsere Aufmerksamkeit. Ein besonderer Erzähler war "Onkel Oberst", der von französischer Zeit und von dänischen Kriegen und vergangenen Tagen Oldenburgs viel zu berichten wusste.

Adolph, der einen sehr regelmäßigen Lebenswandel führte, pflegt die Erledigung seines Tageswerkes, wenn er seinen Nachmittagskaffee getrunken u. die dazugehörige lange Pfeife ausgeraucht hatte, gegen Abend seine Schritte in die Stadt zu lenken. Hier besuchte er das "Kasino", wo er gern mit bekannten Herren – Major v. Bockelmann, Hofmarschall v. Grün, Hauptmann v. Finckh u.a. – eine Partie l'hombre spielte. Er soll sehr selten gewonnen haben und meistens "so gut wie bar Geld" gewesen sein. In den 70er Jahren wurde Civilmitglied der Ober-Ersatz-Kommission bei der 37. Inf.-Brigade, für deren Geschäfte er sich lebhaft interessierte.

Seine Gattin Louise (Tante Lo)  war eine eigentümliche Frau. Die ihr nicht fehlende Gutmütigkeit und Herzenswärme wurden durch ihre Eigenliebe stark zurückgedrängt. Für Schmeicheleien, selbst kräftig aufgetragen, leicht empfänglich, war sie andererseits leicht verstimmt, wenn ihr nach ihrer Meinung nicht die gebührende Aufmerksamkeit zuteil wurde. Wer sie zu nehmen wusste, konnte alles bei ihr erreichen, doch war es nicht leicht, sich in ihrer Gunst zu behaupten. Wer diese verscherzt hatte, den liess sie rücksichtslos fallen und konnte gegen ihn recht unangenehm werden. Ihre Launenhaftigkeit veranlasste häufige Trübungen des Verhältnisses zu ihrem Gatten und die Gunst ihrer Schwiegereltern, welche diese Verbindung erst nach langem Widerstreben und höchst ungern zugegeben hatten, hat sie wohl niemals besessen. Eine unentwegte Anhängerin der Luise Mühlbach stand sie im übrigen der Litteratur sehr fremd gegenüber und mit dem grammatikalischen Deutsch auf dem Kriegsfuss. Eines Tages erzählte sie von einer Dame: "Da bin ich noch Tante über und was Elise (ihre Tochter) ist, die ist da noch Cousine an."

Kinder:
1. Karl Friedrich Adolph , geb. 25.12.40 zu Barghorn. Als voraussichtlicher Erbe von Gauwe zum Landwirt bestimmt. Erfreute sich aber keiner guten Gesundheit und starb schon 75 unvermählt.
2. Elise Auguste Henriette , geb. 42, gest. 44 zu Gauwe.
3. Johann Friedrich August, geb. 44, gest. 51 zu Gauwe . 4 Caroline Albertine [Elise, s.o.], geb. 23.8.46 zu Gauwe. Ihrer gefährdeten Gesundheit wegen brachte sie längere Zeit im Sanatorium des Dr. Bremer Görbersdorf, Schlesien, zu und verlobte sich dort mit einem Deutschrussen, dem Großkaufmann Karl Gottlieb Intelmann zu Riga, Sohn des Ratsherrn I. zu Reval und Karoline, geb. Gundelach. nach ihrer Hochzeit, die am 23.5.72  in ihrem Elternhaus gefeiert wurde, folgte sie ihrem Gatten nach Riga. Sie hatten 8 Söhne, deren 2. Karl, später ein Holzbearbeitungsgeschäft in Bad Zwischenahn hatte. Weitere Kinder Adolphs:
5. Heinrich Friedrich Julius  starb an seinem 1. Geburtstage.
6. Friedrich Wilhelm Dietrich [58], geb. 25. 7. 50 zu Gauwe, gest. Osternburg Sommer 66 . (weiteres gleich).
7. Auguste Emilie Mathilde Louise, 2 Jahre alt gestorben.

Da Willy – vorstehend Nr. 6 – mit mir ungefähr gleichaltrig war, so ergab es sich, dass wir, sobald meine Mutter  ihren Witwensitz in Oldenburg genommen hatte, häufig zusammenkamen, zumal wir dieselbe Vorschulklasse besuchten. Er war hochaufgeschossen, körperlich wenig geschickt, geistig wenig beanlagt, lernte schwer, dabei gutmütig und umgänglich. In der Schule hieß er "der lange Lippe" und war oft der Spielball der Neckereien seiner Altersgenossen. Kaum 16-jährig unterlag er der "gallopierenden Schwindsucht" und ist im Erbbegräbnis beigesetzt.

Nachdem sämtliche Söhne Adolphs  gestorben waren und seine Tochter sich nach Russland verheiratet hatte, verkaufte er nach einiger Zeit zuerst Gauwe an einen Herrn v. Münster; dann auch Osternburg, in den 80er Jahren. Er erwarb dann das Wiebensche Haus an der Rosenstraße 25. Ein großer Pferdeliebhaber – in Gauwe auch Züchter – hielt er bis zu seinem Tode eine Equipage mit vorzüglicher Bespannung, wobei er Rappen bevorzugte, solange er auf der Osternburg wohnte, auch mindestens noch ein Reitpferd. Ich sah ihn noch in seinem 70sten Lebensjahr auf dem Theaterwall in guter Haltung vorbeitraben.

Am 8. Juni 95 verlor er seine Frau. Tante Lo's letzte Worte an ihn waren "Gute Nacht Adolph!". Er überlebte sie noch um 1 ½ Jahre in verhältnismäßiger Rüstigkeit und starb, fast 82-jährig, am 14. I. 97 und wurde neben seiner Frau im Erbbegräbnis beigesetzt. Da sein Tod gerade auf meinen Hochzeitstag fiel, wurde mir die Nachricht vorenthalten, bis ich auf unserer Hochzeitsreise mit meiner Frau nach Oldenburg kam. Dort war mittlerweile seine einzige ihn überlebende Tochter und Erbin Elise Intelmann eingetroffen, welche das Haus verkaufte und den Haushalt auflöste. Das ganze, sehr bedeutende Vermögen, welches aus dem Verkauf von Gauwe stammte, ist somit nach Russland gegangen.

Nachtrag im Jahre 2006

Damit endet die Familiengeschichte von Dietrich Sophus Elimar Friedrich, genannt "Friedel" [60], Sohn des August (Pastor), * 26.3.1850 in Berne. Er heiratete, wie oben erwähnt, am 13.1.1897 in Breslau, Engelina Anna Henriette Gudewill (* 12.4.1867 auf Gr. Krutzschen in Schlesien, † 20.5.1927 in Hannover). Friedel war Kommandant in Königsberg und starb als Generalleutnant a. D. am 18. 6. 1916 in Hannover.

Er erwähnte nicht in dieser Familiengeschichte seine Kinder , der Sohn Friedrich, und die Tochter Elisabeth.

Nachfahren von Gerhard [24]

Von den Brüdern des Großvaters von Friedel (nämlich Johann Friedrich Christian [19]) sind zu erwähnen Gerhard [24] und Wilhelm [28].

Gerhard [24], der erwähnte "Onkel Oberst" hatte drei Söhne und zwei Töchter

[39]Bernhard Friedrich Gustav Adolph, Generalmajor a. D. Besitzer in Stresa am Lago Maggiore u. Crap da Sass bei Silvaplana im Engadin * 10.3.1845 in Oldenburg, µ 19.10.1919 in Brissago (Schweiz), † 23.2.1873 in Berlin Dorothea Ravene [40], Tochter des Geh. Kommerzienrats R. in Berlin (* 3.2. 1855 in Berlin, † 12.7.1930 in Brissago). Das Paar hatte 3 Söhne und 2 Töchter. Von den Söhnen ist v. a. Adolf [78] (genannt Abu), Rittmeister und ausgezeichnet als Burenführer zu erwähnen (siehe unten), sowie Bernhard [81]  und Friedrich [82] . Bei den Töchtern ist insbesondere zu erwähnen die tragisch verunglückte Dorothea (gen. Puppe) * 25.2.1877 in Paris, † Mai 1893 in Düsseldorf, sowie die als Kind gestorbene Margarethe * nach 1879, † 1.10.1901 jeweils in Stresa) 

 
[41]Bernhard Friedrich Wilhelm Hermann, Hauptmann und Adjutant der Kriegsakademie in Berlin, * 27.7.1846 in Oldenburg, † 9.6.1988 in Falkenstein im Taunus, µ 23. 6. 1883 in Dresden Marie Lucie Helene Baronesse v. Rahden (* 11.8.1856 in Davideszek, Gouv. Kowno, † 28.3.1922 in Berlin, keine Kinder).
[43] Wilhelmine (starb im Alter von 3 Jahren)
[44] Frieda Helene Emilie Louise (1851 – 1894) µ Wilhelm Ahlhorn
[46] Johann Friedrich Wilhelm Ludwig, gen. Willy-Oberst, * 30.11.1853 in Oldenburg, † 28. 8. 1912 in Hannover, unvermählt.

Zu dem bereits erwähnten Burenkommandant "Abu" [78], Sohn von Adolph [39] ist zu sagen: Bernhard Friedrich Gustav Adolf Rittmeister a. D. in Wiesbaden, ausgezeichnet als Burenführer, dann Hofstallmeister des Fürsten von Albanien, * 18. 7. 1875 in Wittenberg, † 2. 10. 1936 in Wiesbaden. Er schrieb ein Buch über seine Erlebnisse in Südafrika namens "Aus meinen Erlebnissen als Burenkommandant".

Der andere Bruder von J. F. C. v. d. L., Wilhelm [28] ist oben in der Familiengeschichte erwähnt (Fußnote 23), sein einziger Sohn war Adolf Wilhelm Heinrich v. d. L. [49] * 22.3.1830, † 19.6.1849 dieser war natürlich unverheiratet und kinderlos.

Nachfahren von Georg [36]

Zu erwähnen ist insbesondere der Onkel des Verfassers (Friedel), nämlich Georg [36] , dessen Nachkommen im 20 ten Jahrhundert im preussischen Militär durchaus eine Rolle spielten.

Bernhard Elimar August Georg Friedrich Wilhelm v. d. L. *14.9.1826, † 23.11.1886 jeweils in Oldenburg war verheiratet (14.7.1853 in Eutin) mit Ida Emilie Juliane Martens , deren Mutter Wilhelmine Tischbein war. Über die Ehefrau von Georg, Emilie Martens besteht also eine Verwandtschaft mit dem Maler und Freund Goethes, Heinrich Wilhelm Tischbein * 15. 2. 1751 in Haina (Kloster Haina, Hessen), † 26.6.1828 im Alter von 78 Jahren in Eutin, mit Anna Martha Ketting (* 3.11.1775 in Haina, † 17.11.1832 in Eutin).

Das Paar Georg und Emilie v. d. L. hatte 5 Söhne und 2 Töchter [67 – 76]
[67]Friedrich Wilhelm Elimar, Generalleutnant a. D. in Oldenburg, * 28.9.1854 in Birkenfeld, † 25.12.1935 in Oldenburg, µ 4.12.1880 in Oldenburg mit Malvina (Ina) Mutzenbecher [68], Eltern Geh. Staatsrat August M. und Olivia Migault in Bremen, * 8.6.1860, † 26.3.1946 jew. in Oldenburg. Das Paar hatte eine Tochter
[69]Cornelia Hermine Friederike (Nelly)* 27.8.1856 in Oldenburg, † 30.9.1901 in Wiesbaden, dort auch begraben, unverheiratet, keine Kinder
[70]Carl Oskar Emil Friedrich Adolph, Seekadett, * 15.7.1858, † 2.6.1879 jeweils in Oldenburg, unverheiratet, keine Kinder
[71]Maria …  *17.11.1861, 24.9.1865 jew. In Oldenburg
[72]Friedrich Georg Hugo Ludwig, Generalleutnant a. D. in Berlin * 17.1.1866 in Oldenburg, † 7.7.1933 in Berlin, µ 30.11.1893 in Wiesbaden mit Marie Helene Luise am Ende [73], * 15.9.1870 in Saarlautern, Tochter des Generalmajor a. D. Ludwig am Ende (Kommandant in Berlin). Das Paar hatte eine Tochter [116] Edith (* 5.12.1896 in Verden a. d. Aller)
[74]Rudolph Heinrich Friedrich Wilhelm, Oberstleutnant a. D. in Breslau, * 9.11. 1867 in Oldenburg, † 6.7.1925 in Breslau, µ 30.9.1920 in Posen Lotte Goracki ([75] Polin, * 4. 4. 1889 in Posen). Das Paar hatte einen Sohn, Rudolph [74a], der als Jugendlicher verstarb.