Die Linien und Geschichte der von der Lippe in Deutschland

Im Folgenden werden die verschiedenen Linien und namensverwandte Familien innerhalb Deutschlands kurz vorgestellt (gemäß Victor v.d.L./Philippi).

I. Genealogie

A. Älteste Genealogie bis zur Teilung

Zur ältesten Genealogie, entweder direkt zur Familie gehörend oder eng verbunden, zählen die folgenden Personen. Die Jahreszahlen stehen entweder für bekannte Geburts-/Todesdaten oder Daten der Erwähnung.

Meinricus de Grove (urkundlich erwähnt 1171)
Craph (Kraft) und Isseith (Isfrid) de Grove (1173 erstmalig erwähnt)
Berthe de Grove (1229 erstmalig erwähnt)
Conradus (I.) de Hamelspringe (1180-1223)
Conradus (II.) de Hamelspringe (1219 - 1254)
Henricus (I.) de Lippia (1180-1198)
   mit den Söhnen
        Bertoldus de Hamelspringe
        Conradus(III.) de Hamelspringe
        Henricus (II.) de Lippia
        Amelungus de Lippia dictus de Grove
Conradus (I.) de Lippia (1198 - 1236)
Bertoldus de Hamelspringe (1224 - 1231)
Conradus (III.) de Hamelspringe (de Lippia?) (1266 - 1294)
Henricus (II.) de Lippia (1229 - 1261)
    mit den Söhnen
        Hermann (I.)
        Conrad (II.)
Amelungus (I.) de Lippia dictus de Grove (1219 -1261)
Hermannus (I.) de Lippia (1222 - 1270)
    mit den Söhnen
        Bertold (III.)
        Werner (II.)
Conradus (II.) de Lippia (1230/44 - 1275)
Wernherus (I.) de Lippia (1260 - 1261)
Bertoldus (I.) de Lippia (1260-1261)
Bertoldus (II.) de Lippia (1266 - 1294)
    mit den Söhnen
        Werner (III.)
        Conrad (III).
        Berthold (III.)
Wernherus (II.) de Lippia (1266 - 1292)
Hermannus (II.) de Lippia (1266)
Amelungus (II.) de Lippia (1266)
Elisabeth de Lippia (1266)
Wernerus (III.) de Lippia (1280 - 1335)
Conradus (III.) de Lippia (1280 - 1335)
Bertoldus (III.) de Lippia (1280 - 1335)
    mit den Kindern
        Werner (V.)
        Berthold (V).
        Rehner (Reineke, Reinhard, Reinolt)
        Robert (Ropert, Robracht, Robbeke)
        Ludwig
        Wendele
        Hildegard
        Beatrix
...

B. Ältere Linie zu Vinsebeck (erloschen 1767)

Begründet durch Reineke (VII.) (1548 - 1591). Das Grab von ihm und seiner Ehefrau Anna von Oeynhausen befindet sich noch heute in der Kirche von Vinsebeck.

C. Jüngere Linie zu Vinsebeck (erloschen 1697) 

Begründet durch Bernd von der Lippe zu Vinsebeck (1548 - 9.9.1608). Erbherr zu Vinsebeck (auf dem kleinen Hof). Verheiratet mit Anna von der Borch zu Holzhausen (1560 - 1588).

D. Nebenlinie zu Godelsheim (erloschen [1759?])

Begründet durch Raban (1647 - 1674), den ältesten Sohn von Simon (II.)

E. Linie zu Wintrup (blühend)

Begründet durch Erich (1548 - 1588)

F.  Nebenlinie zu Ottenhausen (erloschen 1736)

Begründet durch Hermann Otto (gest. 25 April 1699).

II. Namensverwandte Familien

Neben diesen Linien existieren noch verschiedene namensverwandte Familien in Deutschland:

A. Die Edelherren von der oder zur Lippe, später Grafen und Fürsten

Diese Linie spaltet sich später auf in folgende Linien
    Fürstliche Linie Lippe-Detmold
    Erbherrlich gräfliche Linie Lippe-Biesterfeld
    Erbherrlich gräfliche Linie Lippe Weissenfels
    Fürstliche Linie Schaumburg-Lippe

Wahrscheinlich haben sowohl die Dynasten von der Lippe mit der Rose und die Herren und späteren Ministerialen von der Lippe mit den Turnierkragen gemeinsame Vorfahren in Gestalt von Bernhard und Hermann von der Lippe.

B. Die Edelherren von der Lippe-Störmede

Dieses nur im 12. und 13. Jahrhundert auftretende Herren- und Ministerialengeschlecht soll mit den Grafen und Edlen Herren zur Lippe stammesverwandt sein, da sein Name abwechselnd de Lippia und de Störmede lautet, sein Stammsitz Störmede zwischen Lippstadt und Geseke liegt und sein Wappen eine fünfblättrige Rose ist.

C. Die lippischen Ministerialen von der Lippe

Hier haben wir es mit einer in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auftretenden und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verschwindenden Ritterfamilie des Namens von der Lippe (de Lippia) zu tun, die zu den lippischen Edelherren in dem Verhältnisse der Ministerialität stand und scheinbar zru Erinnerung an ihre Abstammung eine Staude mit fünf Rosen im Wappen führte.

D. Die Stromberger Burgmänner von der Lippe

Etwas später als die lippischen Ministerialen, aber gleichfalls noch im 13. Jahrhundert, tritt ein zweites Ministerialengeschlecht von der Lippe mien einem Rosensiegel, das sogar völlig identisch ist mit dem Stammwappen der Dynasten, in der Nähe von Lippstadt, in dem nördlich davon gelegenen, zum Bistum Münster gehörigen Stromberg, als Burgmänner dieser Feste, auf.

Diese schon im 14. Jahrhundert wieder verschwindende Familie findet sich auch mit den Edelherren zur Lippe und von Störmede, mit den Bischöfen von Münster und Osnabrück, mit den Klöstern Marienfeld, Liesborn und Abdinghof in Beziehung.

E. Die von der Lippe in Göttingen

Die Familie sass schon von 1328 im Göttinger Bürgerrecht. Das Urkundenbuch der Stadt Göttingen kennt zu frühest zum Jahr 1331 den Theodoricus de Lippia.

F. Die von der Lippe in Münster

Ihr Wappen zeigt eine Bärentatze im Schilde, die sich auf dem Helm wiederholt.

G. Die von der Lippe in Hamm

Siehe Johann Diederich von Steines Westphälische Geschichte, 2. Teil (Lemgo 1755), Seite 838’9.

H. Die von der Lippe genannt Hune

Die von der Lippe genannt Hune mit drei rosenbelegten Ringen im Wappen, begütert in Sayn, Berg und Geldern, auftretend im 15. Jahrhundert, erloschen gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

Mit Sayn ist die ehemalige Grafschaft Sayn-Wittgenstein gemeint und mit Geldern die nach der im Kreis Kleve am Niederrhein gelegenen Stadt benannte, jetzige holländische Provinz Gelderland.
Im „Saynschen“ besaßen bzw. bewirtschafteten die von der Lippe genannt Hune diverse Güter, beispielsweise die Burgen Hartenfels (Westerwald) und Freusburg (Siegerland), nachzulesen zum Beispiel in den Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein unter http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/8034644 von Freiherr Anselm von Hoiningen-Huene (1872). In der evangelischen Kapelle zu Freusburg erinnert noch heute die Inschrift einer Glocke an die Verbindung (http://www.kirchen-sieg.de/show.php?page=KapelleFreusburg).

Die Besitztümer im „Geldrischen“ sind ebenfalls hinreichend belegt, zum Beispiel in der Geschichte der Familie des Schenk von Nydeggen (https://books.google.de/books?id=I7M3AAAAYAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q=lippe& f=false) von 1860 und durch diverse Werke von Genealogen wie Anton Fahne, Johann Diederich von Steinen u. a.

I. Die Familien von der Lipe in Mecklenburg, Pommern und der Mark

Es wird hierbei unterschieden zwischen der märkischen Familie (Wappen ein Löwe) und der mecklenburgisch-pommerschen (Wappen eine Pfeilspitze). Beide dürften ihren Namen von den mehrfach in Norddeutschland gelegenen Orten Lipe oder Lipen erhalten haben, wie denn auch das Wort lipa im  Slawischen die Linde bedeutet.

J. Die niedersächsische Familie von der Lippe

Dieses blühende Geschlecht, das der preussischen Armee zahlreiche Offiziere gabe, behauptet eine gemeinsame Abstammung mit den Turnierkragensieglern und stützt sich hierbei auf den Gebrauch desselben Wappens. Wie das Turnierkragenwappen aber in die Familie gekommen ist, ist nicht nachzuweisen, wie denn die Stammreihe überhaupt nur bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinauf zu verfolgen ist und frühere Anhaltspunkte sich rasch verlieren.

K. von Lippe in Sachsen

Ehrenfried Lobegott Lippe, Herr zu Cunnersdorf bei Kamenz in Sachsen (heute Gemeinde Schönteichen), wurde vom Kaiser Franz II. 1805 in den Reichsadelsstand erhoben. Das Rittergut wurde im Zuge der LPG Privatisierung geschleift. Wappen: In blauem Schilde drei im Schildesfusse auf grünem Hügel nebeneinander aufwachsende goldene Ähren. Auf dem Schilde ein gekrönter Helm, welcher einen offenen blauen Adlersflug trägt, zwischen dessen Flügeln ein sechstrahliger goldener Stern schwebt. Die Helmdecken sind blau-golden. Die Familie ist erloschen, da der letzte männliche Namensträger, Gottfried von Lippe am 10.03.1973 kinderlos verstarb.

L. Sonstige

Im Lübeckschen, Mecklenburgischen und Pommerschen Urkundenbuch finden sich noch eine Reihe von Einwohnern von Lübeck, Wismar, Rostock, Greifswald und Stettin erwähnt, welche diesen Namen führen, wobei es dahingestellt bleiben muss, ob die Bezeichnung von der Stadt zur Lippe, von Lippstadt, genommen ist, oder “von der Lippe” anzunehmen ist. Sichere Zusammenhänge, besonders mit dem Geschlechte der Turnierkragensiegler, wie sie etwa in Übereinstimmung der Vornamen zu Tage treten könnten, lassen sich nicht nachweisen.